Montag, 16. Oktober 2017

DAS TOR MACH WEIT

Kreisklasse B6:
Eintracht Fuhlsbüttel - Tangstedter SV III  8:2





OKAY...ich hab lange nichts mehr von spielen berichtet, in denen andere mannschaften als die des FCSTP mitgewirkt haben...jetzt kommt mal wieder was neues, oder...um mit monthy python zu sprechen: 
"and now something completely different"
in jederlei hinsicht...okay, ich bin zu einem fußballspiel, aber zu einem ganz speziellen - was den platz anbelangt, den gegner und die zeit.
vielleicht ist dieser besuch die königsdisziplin des groundhoppings...scheiß auf bernabeu (das sowieso), vergiß wembley und macarena oder wie immer das ding heißt...guck dir camp nou auf fifa18 an (neee, das lohnt sich schon in echt) - der ort welcher, wo man mal gewesen sein sollte (oder auch nicht), liegt am hasenberge 26 in hamburg fuhlsbüttel.

nein, hat nichts mit meiner lepiden-affinität zu tun...das ist die anschrift für den platz von eintracht fuhlsbüttel...die mannschaft, die nur heimspiele hat - die mannschaft, die nie aufsteigen kann und darf - die mannschaft, in der zwar jeder gerne spielen möchte...aber keiner, der für das team aufläuft, hat ein interesse an einer vertragsverlängerung.
eintracht fuhlsbüttel ist hamburgs mannschaft aus SANTA FU...dem knast. 

das ist ne etwas andere qualität...das is nix mit mal auf nem forum vorbeischauen oder vor dem stadion rumlungern und papptäfelchen hochhalten mit SUCHE KARTE...oder mal eben sich bei irgendeinem drecksack bei viagogo melden...um an so einem spiel teilzunehmen, gibt es nur zwei möglichkeiten:
möglichst vielen großmütterchen die handtaschen klauen oder die ehefrau verbrennen, dann kannst du für die heimmannschaft auflaufen, vielleicht...

oder du bist teil der gastmannschaft...15 spieler, 3 betreuer...18 personen, alle männlich, dürfen sonntags "einwandern" um auf diesem platz an einem fußballspiel teilnehmen zu können
mein tapferer begleiter und ich kauen schon seit jahren daran rum und natürlich, weil er immer noch an der nadel hängt - der vereinsnadel - war der erfolgreichere...das interesse, an so einem spiel teilzunehmen, ist sicher nicht überagend und so wurde mein tapferer begleiter halt kurzfristig zeugwart und meine wenigkeit physiotherapeut bei der dritten des SV TANGSTEDT...
dr. heckyll und mr. jive...
na herzlichen glückwunsch...ach soja...das spiel bei eintracht ist natürlich nicht nur die krone des grundhüpfens, es ist auch die königsdisziplin des amateurfußballs in hamburg...allein schon wegen der bedingungen...anstoßzeit sonntags morgens um 9:00 - heißt für mich, um 5:30 hoch und ich denke, keiner der tangstedter spieler ist viel später aufgestanden (keine ahnung, wann im knast bei der heimmannschaft wecken angesagt ist am spieltag)...
was schrub ich??? - 15 spieler und drei betreuer - krieg mal bei manchen teams in der kreisklasse sonntags um 13:00 UHR elf spieler zusammen.
zwei mannschaften haben bei santa fu schon die punkte liegengelassen, weil sie nicht angetreten sind...die ACHTE vom FCSTP hat sich hier ein 2:2 abgeholt, paloma VI hat hier 3:1 gewonnen (wobei das eine gepimpte ehemalige bezirksligamannschaft ist) - ansonsten ist die EINTRACHT mit 25 punkten aus 10 spielen momentan tabellenführer...wie gesagt, krieg mal für so nen termin ne mannschaft zusammen...es ist etwas GANZ spezielles...verschlafen und mal eben ganz kurz vor anpfiff anreisen...muß noch arbeiten, komme zur zweiten halbzeit...wohl eher schwierig...
"solche probleme haben wir hier natürlich nicht...hier verschläft niemand, keiner ist im urlaub und keiner muß mal eben zu muddi...ich hab 30 spieler im kader und ansich wollen alle spielen" sagte der coach nach dem spiel.
so sieht das bei eintracht fuhlsbüttel aus...

bei der gastmannschaft wie gesagt...18 leute...müssen vorher gemeldet werden, name geburtsdatum, funktion...anreise, treffen 7:50 am tor am hasenberge, tangstedt hat 13 leute dabei, den zeugwart und den physio.
dann kommt jemand heraus und erklärt das prozedere...was alles mit rein darf und was nicht...REIN...sportzeug (zwangsläufig), ansonsten ansich fast NIX...ich entschließe mich also, quasi meine kompletten taschen zu entleeren...zigaretten wären erlaubt, zwei verschweißte pakete pro mannschaft...da nur alle angebrochene dabei hatten...okay, also keine rauchen.

meine hustenbollos...besser nein...okay - kein kaffee, kein hund, keine wurst, keine kippen, keine rachenputzer (aber gut, selbst wenn es was zu kaufen gäbe, GELD ist auch nicht erlaubt) - 15 leute betreten also den ersten raum, geben ihre persos ab, dürfen dinge noch in zwei schränken verstauen, die sie nicht im auto lassen wollen, aber nicht mit reinnehmen dürfen), inzwischen gleicht ein beamter die ausweise mit der gemeldeten liste ab...
und dann das problem...der coach hatte einen falschen spieler gemeldet...einer steht nicht auf der liste und darf dann auch nicht rein, so sind die regeln...
um 6:00 aufgestanden, angereist und nun wegen eines fehlers des coaches raus, darf seine tasche schnappen und wieder nach hause (wenigstens war er mit eigenem wagen da...) - darf man dann wohl als gebrauchten tag buchen.
da waren es nur noch 14...die dürfen dann in den nächsten raum, wo der freundliche JVA-beamte witze darüber macht, daß von jeder mannschaft am ende des spiels zwei spieler dableiben müssen - dafür hat er sich denn auch die zwei tangstedter ausgeguckt, die optisch sympathien für den FCSTP hegten.
mal ganz ehrlich...klar, ein mensch sollte spaß an seinem job haben, das sei dem mann zugestanden...aber irgendwie lustig fand ich das nicht - eine sehr subtile form der einschüchterung, wobei er das auch nicht hätte tun müssen, denn ich persönlich - und ich denke, die anderen auch, empfanden das ganze ohnehin schon als ETWAS beklemmend..
danach sicherheitsschleuse DREI...taschen durch das scanner-laufband...
jeweils fünf mann rein...
"und dann auf die väterliche mein sohn - komm mit zur leibesvisitation"
feddich, dann die nächsten fünf, dann die letzten vier, dann alle 14 raus aus schleuse 3 zum nächsten zaun...liebevolle blumenrabatten mit gartenzwergen, die scheinbar - da die hutzelmännchen rot-schwarz trugen, ein hannover96-fan dorthin platziert hatte "schicker würde ich's ja finden, wenn die zwerge schwarz-weiß-gestreifte klamotten anhaben würden"...
okay, war ein witz, den ich auf dem rückweg gemacht hab...auf dem hinweg ist dir da nicht nach...ein hof, ein zaun, um dich rum die roten backsteingebäude mit vergitterten fenstern, vereinzelt geräusche, stimmen...irgendwie wirst du gefühlt kleiner...nächster zaun...du wirst noch ein wenig kleiner und leiser...
nun war es auch ein besonders netter tag...dämmerung und fetter nebel, feinstes horrorfilm-ambiente...nachdem der freundliche herr dann den dritten zaun aufgeschlossen hatte, der blick auf den platz, ehemaliger appellplatz des alten zuchthauses, ein grandacker mit vier flutlichtmasten, mauern und nato-draht rundherum, in einem der seitenflügel des sternbaus die kabine.

"wie lange braucht ihr, um euch umzuziehen?" fragt unser schlüsselwärter.
viertelstunde, sagt der spielertrainer - okay...und rocroc, alle sind drin, die tür wird zugeschlossen...viertelstunde zeit, umziehen, taktikansprache.

der faux-pas mit dem perso hat natürlich eine option zerbombt...einer der potentiellen einwechselspieler ist extrem erkältet und gibt nun den torwart, weil der stammkeeper verletzt ist, so gibt der ersatzmann den defensiven mittelfeldpart - der coach gibt als tasktik den st. pauli-tannenbaum der maslo-ära aus...3-2-2-2-1, der keilstürmer wechselt alle 20 minuten (in der KKB darfst du ja permanent rotieren wie beim hand- oder basketball)...
dann kommt der schlüsselwärter und läßt die mannschaft wieder raus...zum warmmachen...raus aus der höhle des löwen, rauf auf den acker.
acker paßt auch...ein grandplatz wie der luisenweg...mit STÜCKEN sozusagen...teilweise mit klee bewachsen, teilweise eine matschepampe, teilweise knochentrocken und betonhart...und an zwei stellen unter einer dünnen schicht roter asche jeweils ein gullidecken

 und plötzlich sind auch die gegner da und machen sich warm - okay...optisch nicht viel anders das ganze, als wenn du gegen veddel united spielen würdest...viele menschen offensichtlich mit migrationshintergrund, bloß halt weniger-fritz-schumacher-ambiente, mehr maschendrahtzaun - aber diese kleine unbehagen, weil du weißt, das hier ist nicht veddel united und die jungs da auf der anderen seite werden anders als du nicht nach dem spiel duschen und dann heim zu frau und kind, sondern hier in einem der backsteinflügel bleiben, in einem zimmer mit den gittern vor dem fenster, weil sie irgendwas angestellt haben, weswegen man sie von der "normalen" gesellschaft fernhalten möchte und im zweifelsfall sind das hier keine hühnerdiebe - oder wenn, müssen das verdammt viele hühner gewesen sein.
bekanntermaßen hat ja der 20ste mann vom kommando der täter vom 11. september, herr motassdeq - derjenige, der der nicht in die usa einreisen konnte, mal für die eintracht gespielt.
die kabinen der eintracht scheinen etwas im tiefparterre zu liegen...dann kommt der ZWEIER die treppe hoch und macht sich warm...die reinkarnation von queequeg, dem polinesier aus "moby dick", ein barocker kleiderschrank, bei dem nur die rechte gesichtshälfte nicht tätowiert ist...und denn kommt der VIERZEHNER...david, der allerdings eher wie goliath aussieht, oder nein, streng genommen erinnert er eher an ady berber...der blinde jack aus dem edgar-wallace-film "die toten augen von london"...paßt ja auch toll zu dem nebel, der immer noch auf dem platz herum waberte. 

passend zu dem thema kreisklassenfußball - natürlich war auch kein schiri anwesend, der hatte wohl entweder im nebel den weg nicht gefunden oder halt eben auf dieses besondere ambiente um 9:00 morgens keine lust.
ZU-fällig hat man denn in santa fu auch jemanden zur verfügung, der einen schiri-paß des HFV hat....wenn man schon mal da ist, bevor man abreisen muß und nochmal hierhin muß...man akzeptiert den ersatzmann, damit das spiel endlich losgeht.

man hat bei allen tangstedtern das gefühl...und wahrscheinlich geht es auch allen anderen teams so, die das hier das erste mal mitmachen...laßt uns das hinter uns bringen und - ich will nicht verhehlen, daß es mir auch so ging.
wahrscheinlich ist es beim rückspiel etwas besser, aber ganz weggehen wird dieses mulmige gefühl wohl nie...das ambiente, die gegenspieler mit ihrem wie auch immer gearteten background...zuschauer: der schlüsselwärter, ersatzspieler, zwei betreuer und die zwei coaches der eintracht, von denen eine ein zierliche frau ist (nachdem gerd mewes nach 35 jahren in rente gegangen ist) - ab und an dringen rufe aus einem der vergitterten fenster im block hinter dem platz und eine hand winkt zwischen den gitterstäben hervor.
AVE CAESAR MORTURI TE SALUNT...
dann bilden sich die üblichen muhhtivationskreise - der der tangstedter ist, naja...vorhanden - und dann schallt einem von der anderen seite GEBT MIR EIN S, GEBT MIR EIN F, GEBT MIR EIN U...SANTA FU entgegen.
ansonsten lähmende stille auf dem platz...die tangstedter haben alle komplett die hosen voll...keiner traut sich richtig in die zweikämpfe, keiner traut sich, laut zu reden oder zu dirigieren...ich versuche, ein wenig den coach zu geben, aber selbst ich traue mich nicht, irgendwie emotional zu werden.
die taktik der eintracht ist relativ einfach...es sind etwa fünf spieler dabei, die auf der anderen seite der mauer mal höher gespielt haben müssen - kleine schnelle leute für das mittelfeld und den angriff...ein robuster abräumer und 
ballverteiler im zenrum, der rechtsverteidiger CARLOS stämmig, eher der typ running back als kimmich oder lahm, ein kühlschrank in der innenverteidigung.
die linke seite ist schlecht...da steht untypisch mit QUEEQEG der hüftsteife muskelprotz auf außen und ihm zur seite ein bulliger nicht mal 1,70 großer farbiger als innenverteidiger mit kurzen dreadlocks und hitlerbärtchen (!!!)...
wir machen witze darüber, weil das lustig aussieht...aber nur ganz leise. 

das tangstedter konzept ist nach zehn minuten für die tonne, weil zwei individuelle fehler der torwarts zu gegentoren führen, weil keiner sich traut, in die zweikämpfe zu gehen und weil alle gedanklich irgendwo anders sind.
mich WÜRDE ja mal interessieren, wie das WÄRE, wenn hier mal ne mannschaft mit richtig FETTEN cochones auflaufen würde, die den jungs von der eintracht mal RICHTIG auf die socken steigen würden, was dann passiert. 
die jungs spielen hart, ja...körperbetont, ja...aber nie unfair - meckerei und motzerei (um mal bei dem veddel-united-vergleich zu bleiben)...fehlanzeige.
ja, meckern, aber nur untereinander, aber alles im rahmen (ja, sagten die tangstedter, so ganz leise...aber nur leise, habe der eine oder andere gegenspieler ihnen schon mal einen liebesbeweis ins ohr geflüstert...was genau - ich hab nicht genauer nachgefragt).
ansonsten...wenn frau coach sagt, ruhe ist, dann ist ruhe...und wenn frau coach coacht und dirigiert, ist zackig befehl und ausführung (erinnert ein wenig an das bild von der maus im zirkus, die elefanten durch einen reifen springen läßt).
an der spielsituatation auf dem platz ändert sich wenig...der kleine torwart der eintracht in der viel zu großen hose (ich schätze den mal auf über 40) hat fast gar nichts zu tun...wenn er was zu tun bekam, einen rückpaß abwehren oder einen distanzschuß halten, zeigte sich, daß er zu der fraktion der fußballerisch reglementierten gehörte ("ey mann, meine handschuhe stinken, weil meine finger stinken...immer noch vom zwiebeln schälen")...
die tangstedter hätten können können, wenn sie gekonnt hätten...wenn angst nicht seele aufgegessen hätte, was sie hatte.
zwei weitere patzer, diesmal in der defensive - marke begleitetes toreschießen - und es stand 4:0...zwei doofe ballverluse im mittelfeld und zwei schicke konter und es stand 6:0 für die eintracht. 
das war die erste halbzeit...mit drei kleineren anmerkungen:
1. nach dem 6:0 ein winkender arm aus einer zelle aus dem seitenflügel (von wo aus man nur einen blick auf einen kleinen teil des spielfeldes hat) zu einem der wechselspieler, der gerade eine rauchte und ein lauter ruf:
"EY MANN, WIE STEHT'S???" - "6:0 für uns" nach oben gerufen.

"SEXNULL???...WAS SIND DAS DENN FÜR SCHWUCHTELN!!!...SCHICKT DIE HUNDESÖHNE NACH HAUSE, MANN!!!"
es ist ja nicht so, daß man sich danach etwas mutiger und besser fühlt...
2.  QUEEQUEG mußte ohne feindeinwirkung verletzt raus, doof umgeknickt, für ihn kam dann DAVID, der auf dem platz stand, weil da halt elf stehen sollten, wenn man denn schon elf leute zur verfügung hat...fußballerisch noch unbedarfter als ich zu meinen besten außenverteidiger-zeiten und das will schon eine menge heißen...aber auch wenn ich versucht habe, zu sagen, spielt mehr über die andere seite, die tangstedter waren viel zu beeindruckt, als das sie für solche äußerungen aufnahmefährig gewesen wären. 

3. der schiri - war wirklich gut und fair...wie die partie auch...was die widerworte und die meckerei anbelangt, gab's das nur einmal, nach einem weiteren tor für die eintracht, dem er vollkommen korrekt wegen abseits des torschützen die anerkennung versagte. 
und der paßgeber leistete sich dann einen emotionalen ausbruch, ein "EY, WAS ABSEITS, WAS PFEIFST DU, DIGGA", den du bei einem kreisklassenspiel gefühlt 57mal pro partie hörst, worauf ein kreisklassen-schiri im zweifelsfall beim 58. mal vielleicht reagiert - bei der eintracht reagiert man sofort:
frau coach zur seitenlinie, ein pfiff, ein finger ein winker, der meckerer wird ausgewechselt und darf duschen gehen...ein GANZ kurzer versuch eines weiteren widerwortes zum männlichen co-trainer, eine kurze geste zurück und das thema ist durch (sag ich noch was zu).

halbzeitpause...der schlüsselwärter blickt uns an...NEIN, keiner der spieler will wieder in die kabine, nicht wieder eingeschlossen werden, wir bleiben auf dem platz, versuchen zu analysieren...nun ist spielertrainer CHRIS leider vom ganzen szenario leider ebenso beeindruckt wie seine akteure und von der emotionalität an diesem morgen leider auch eher das monchichi denn der duracell-hase.
als der schiri nach zehn minuten pause fragte: "wollt ihr weitermachen", wollten alle tangstedter schon - auf daß der nebel sich verziehen und der elch an einem vorübergehen möge.
WAS die eintrachtler nicht haben oder nur wenig bei den meisten, ist kondition.
die meisten sind in ihren freistunden wohl eher in der muckibude...schnellkraft ja, um hantelscheiben hochzureißen - was das thema ausdauer anbelangt, kann ich schlecht beurteilen, aber selbst die flinken flügelspieler waren vom oberkörper her eher pumper oder boxer als marathonläufer - in sofern, wenn du eine chance gegen die jungs haben willst, dann laß die sich in der ersten hälfte totspielen und mauer und versuch dann (wenn du selbst genug power auf dem platz hast), sie in der zweiten hälfte abzulaufen und auszukontern.
DAS klappte zweimal hervorragend, auch, weil der TSV plötzlich die linke seite entdeckte...als frau coach noch kurz versuchte, david zu erklären, wie das abwehrverhalten in einer viererkette funktioniert ("wenn wir den ball haben, dann gehst du mit raus...auf die linie, wie die anderen und bleibst immer auf deren höhe"), brach der tangstedter quotenstürmer durch die schnittstelle.
der arme david, gedanklich nicht der schnellste, guckte, wo die anderen stehen, während der stürmer zwischen ihm und dem hitlerbärtchen-bobmarley durchzog und den ball sauber einnetzte - wie ich schon schrub...der torwart war auch eher der keeper, wie man ihn früher in der schulmannschaft hatte: "wenn ich mitspielen darf, geh ich auch ins tor."
das ganze klappte, weil david immer noch versuchte, das von ihm geforderte abwehrverhalten zu analysieren, sogar nochmal...konter durch die schnittstelle der abwehr, der SECHSER der eintracht ja wegen meckerns von seiner coachin rausgenommen und dann steht es 6:2...
das ist sozusagen das, was man das MOMENTUM nennt und kurzzeitig schien es so, als wollten sich die schwulen hundesöhne aus tangstedt doch nicht so einfach abschlachten lassen...david durfte danach den platz verlassen, einer der flinken mittelfeldwuseler durfte seinen platz einnehmen - 
und in dieser drangphase des TSV machte der schiri seinen einzigen fehler, indem er ein klares abseits NICHT gepfiffen hat.
was folgte, war das 7:2 und damit der todesstoß...momentum weg, ködel in der hose wieder da, die kondition der meisten tangstedter jetzt auch am ende.
daß es nach dem einzig halbwegsd erwähnenswerten foul im spiel auch noch einen elfmeter für eintracht gab, der zum 8:2 führte, dient nur der pflicht des chronisten...der torwart lief nach vorne "ich schieß, laß mich schießen"...die hälfte der mannschaft dafür, der rest diskutierte, schließlich schießt ein anderer.

Und dann ist bald und endlich auch schluß...die eintrachtler verschwinden in ihrer kabine und die tangstedter spieler in ihrer unter der dusche - diesmal wurde nicht abgeschlossen und mein tapferer begleiter und ich durften draußen stehen bleiben...
ich hab mir ja sagen lassen von jemanden, der dort mal vor 30 jahren mal gespielt hatte, die jetzige kabine sei der reinste luxus...vor 30 jahren sei sie noch im rechten seitenflügel gewesen, in einer ehemaligen freigeräumten zelle und zum duschen hätte man gemeinschaftsduschen mit den häftlingen benutzen müssen "das sah da aus wie auf bildern, die man von gaskammern kennt")
es gab noch ein wenig hin und her wegen eines balles vom tsv, der plötzlich fehlte - zum schluß hatte man mit tsv-bällen gespielt, weil den pillen der eintracht entweder die luft ausgegangen war oder sie in bereiche des platzes geflogen waren, für die selbst der schlüsselwärter keinen schlüssel hatte.
der ball wurde letztendlich gefunden...während wir da warteten - denn auch nach dem spiel kann man natürlich nicht so einfach mal rasch ins clubheim, eine rauchen und n pils trinken, defilierten die spieler der eintracht an uns vorbei, auf dem weg zurück in ihr anderes leben abseits des fußballplatzes.
hab ich jemals als groundhopper so viele handschläge bekommen?
ich kenn das, wenn ich spiele der VIERTEN besuch, daß mich spieler mit handschlag verabschieden und einem "schön, daß ihr da wart"...so war das auch an diesem morgen...QUEEQUEG kam an mir vorbeigehumpelt, den linken knöchel bandagiert, reichte mir wortlos die pranke.
"gute besserung" - sagte ich...worauf ich im vorbeigehen einen laut bekam, von dem anwesende behaupteten, er hätte "danke" bedeutet. 
die zwei coaches der eintracht diskutierten neben uns das thema disziplin mit dem mannschaftskapitän..."wir haben das besprochen beim training"
ein nahezu JOGISCHES luxusproblem, nur ein WENIG anders...du hast 30 leute im kader, die alle spielen wollen, wobei es hier halt um andere dinge geht als um ruhm, ehre, den adler oder den marktwert...
bist du in der mannschaft, darfst du mittrainieren, raus aus deiner zelle, hast eine abwechselung von deinem alltag - bist du im kader, darfst du raus, sonntags um neun, auch im oktober im nebel, hast vielleicht eine verbindung zu deinem leben vor deiner zeit hier im sternenbau, als du noch sonntagsmorgens auf irgendeinem anderen grandacker in der stadt gekickt hattest, bevor du irgendwann irgendeine falsche entscheidung getroffen hattest für dein leben.
wie es malte, trainer von st. paulis ACHTER, formuliert hatte: "wir spielen heute gegen harte jungs, aber nicht gegen schlechte menschen". 
ich will es mal so formulieren...bei einigen bleibt das mulmige gefühl...würde ich eingen figuren morgens um sechs oder nachts um elf auf einem bahnsteig einer u-bahn begegnen und hätte die alternative, in welchen waggon ich einsteigen würde, ich täte den anderen nehmen. 
aber das ist natürlich auch ein gefühl, denn viele der spieler der eintracht sehen nicht anders aus als als jene menschen, die ich alltäglich in meiner HOOD sehe und die mich abends in der tram begleiten, aber bei den spielern der eintracht WEIß man halt, daß sie bei all dem, was man vielleicht menschen, die man in der tram trifft, zutraut, schon mal gemacht haben.
man muß sich davon wahrscheinlich lösen, wenn man zum fußballspielen  auf diesem platz antritt, wenn man sich nicht mental in die hose pinkeln will... 
wie gesagt...spielerisch gewinnen die eintrachtler nicht ihre spiele...sie gewinnen sie im kopf, und zwar im kopf der gegner, die sich vielleicht vorstellen, wenn du hier einen umgrätscht, holt der honkafritz ein hackebeil aus der hose...schießt du ein tor, kriegst du ein messer in den rücken.
NEIN, is nich so...das vielleicht als tip für alle mannschaften, die das jetzt lesen und hier vielleicht noch hinmüssen...
da stehen die tangstedter nach den spiel frisch geduscht und immer noch eher mental leicht gebeugt...es geht den selben weg zurück, mit dem schlüsselwärter _ gittertor, hof - sammeln, gittertor, hof - sammeln, tür, sicherheitsschleuse - wo der hsv-affine beamte wieder seine witze machte bezüglich "zwei leute müssen aber jetzt hier bleiben"...
im übrigen muß die trainerin den selben weg gehen wie wir auch...

der co-trainer  der eintracht geht den anderen weg -  nun wieder den selben weg wie all seine spieler und auch der scheidsrichter der partie...nix mit auslaufen, nix mit noch mal vor der kabine den ghetto-blaster anschmeißen und ein paar bier köpfen, sondern zurück in den seitenflügel, zurück in den weiß-ich nicht-alltag dieser menschen...will ich wissen, wie der nun ausschaut...
durchzählen...spindfach leerräumen, schlüssel abgeben vom spind in der letzten sicherheitsschleuse, dann gibt es vom schlüsselwärter und dem witzbold am schalter auch die ausweise wieder und das letzte summen...
die automatik-tür öffnet sich, der schlüsselwärter verabschiedet sich und du stehst auf dem parkplatz VOR DEM tor...kannst jetzt an dein handy, ein mannschaftsfoto machen - ich kann an meine halsbollos und an meine kippen ran, die lang verschm
erzte endlich mal eine rauchen...
die meisten tangstedter wollen nach dem mannschaftsfoto und der zigarette danach einfach nur noch weg - ja, kann ich jeden verstehen...
okay, mag ja vielleicht die königsdisziplin sein - "HELLJA - ich war bei einem spiel von eintracht fuhlsbüttel dabei"  - so rechte euphorie will sich bei mir nicht einstellen ob des erfolges, hier gewesen zu sein.

das ist eine grenzwerterfahrung...ich war 92 schon einmal hier, im rahmen eines projektes während meines studiums und schon damals war da diese gefühl, du bist zwar mitten in hamburg, aber irgendwie auf einem anderen planeten...
wenn man nach so einem fußballspiel vom hasenberge den parkplatz verläßt, ist man in wieder in einer anderen welt...zehn meter entfernt von einem... polizeibeamte beaufsichtigen menschen, die gerade bäume zersägen außerhalb des geländes und blumen pflanzen.
nicht darüber nachdenken...nicht über CARLOS, QUEEQUEG, DAVID...
vielleicht würd ich das rückspiel gern noch mal nehmen wollen....vieleicht als eine form von studie, ob mensch sich von gedanken und gefühlen, erinnnerungen und assoziationen befreien könnte...was in diesem falle nicht nur für die spieler aus tangstedt gelten würde, sondern auch für mich...














Sonntag, 24. September 2017

DAS GANZ HALB-LEERE GLAS

2. BL:
FCSTP - fortuna düsseldorf  1:2



es ist doch eine krux...wie gesagt - ich schreibe keinen block über spiele, die ich nicht live gesehen habe...da beginnt schon die erste zärtliche trainerdiskussion und dann liest der OLAF meine gesamten blocks, das 4-4-2-bashing, stellt gegen die kieler extrem unorthodox auf...gefühlt eine dreierkette, zwei defensive, zwei außen, die die dreierkette zur not zur fünferkette machen können, zwei offensive mittelfeldspieler und EINEN - in worten EINEN stürmer.
und wir haben natürlich WIEDER kein stürmertor...aber WTF, wir hatten auch schon mal nen matze lehmann (stanis quarterback), der auch mal offiziell SECHSER war und interner torschützenkönig wurde...
sollten die herren BUCHTMANN und FLUM zweistellig treffen diese saison, wer wäre ich, das dann zu verteufeln...noch dazu, wenn ein herr NEUDECKER mal einen echten zehner par excellence gibt und irgendjemand dem AZIZ, der sich nach außen fortgeschlichen hatte, den ball endlich mal flach in den fuß gespielt hatte....wenn der statt 15 buden diese saison 15 assists abliefert, soll mir das auch recht sein, noch gerade, wenn diese assists jeweils zum siegtor führen.
wobei...zuckerpässe, übersteiger...ist das alles natürlich nicht, das ist alles HARTE arbeit, das spielerische element, es blitzte zwar auf bei diesem tor, aber ansonsten ist das doch ein wenig wenig.
JETZT meckert er schon wieder!!!
ja, ich weiß...ich hab nach dem letzten block zu lesen bekommen, ich würde zwar viele worte schreiben, aber davon VIELE DUMME...was ich aber auch nicht lassen werde...ich mein, für schönschreiberei brauchts wohl keinen block, oder, dann könnt ich auch 120 minuten lang kritiklos hüpfen und singen.

und JA, ich muß schon wieder meckern, bevor ich zum fußball komme:
war schon letztes heimspiel so und nun schon wieder...JA, das vertreiben von schwarzhändlern finde ich absolut richtig und ja, jeder der diesen ddrecksäcken sein ticket überläßt, sollte ein ehrengerichtsverfahren an den arsch bekommen, so er denn vereinsmitglied ist und seine dauerkarte verlieren, so er eine hat.

die fliegenden bierhändler vertreiben...nunja, bin ich raus, weil ich ja immer meine eigene elfantenherde vor mir hertreibe...ja, besser das bier, wenn man keines dabei hat, im fanladen kaufen!!!
und nein, die vereinseigenen fliegenden bierläufer und -wagen supporten, die ihrer überteuerte plörre darbieten...ein ganz klares nein!
und ebenfalls NEIN...es ist eine schande, daß in diesem land alte menschen flaschen sammeln müssen, um ihre rente aufzubessern...eine ebensolche schande ist es, finde ich, wenn unsere eiernacken-ordner rumlaufen und unter verweis auf das hausrecht die flaschensammler vor der gegengeraden vertreiben, wie letzte woche geschehen...
heute waren sie wieder da, die ordner und die sammler, letztere etwas schüchtern und etwas abseits...JA, man hätte sie nicht direkt vertrieben, sagten mir meine dauerabnehmer für meine elefantendosen...man hätte ihnen nur mitgeteilt, sie wären "eine stunde vor spielbeginn unerwünscht"!!!
eine stunde vor spiel...wo die meisten zuschauer anreisen und ihren pfandmüll irgendwie vor dem stadionbesuch entsorgen wollen/müssen...WAS SOLL DAS? ist das jetzt auch ein neues soziales projekt???
daß die ordner die flaschen selber sammeln sollen, damit wir mit dem pfand etwas neues finanzieren können oder herrn allagui das gehalt zahlen können???
nenene, liebe leser...das ist ja auch wieder so ne geschichte rund um unsren verein, in der ich mich eher NICHT so wiederfinde...wobei...
der ARSCHLOCHPOKAL des heutigen tages war schon frühzeitig vergeben:
ich war ja vor dem spiel mal wieder für eines meiner 70 sozialen projekte unterwegs, nämlich ein paar stolpersteine fotografieren...feddich mit das ganze, auf dem weg zur u-bahn in eimsbusch...schlump...gustav-falke-straße.

das ist VIER u-bahn-sationen von st. pauli entfernt...steigen vor mir vaddi, sohn und tochter(kinder so 12,13,14), mit FCSTP-schälern drapiert, in ihren schicken schwarzen vw-tuareg ein, um mit ihrer drecksschüssel zum millerntor zu eiern (nehm ich mal an, ich bin dem auto nicht hinterhergelaufen - aber wenn dem denn so ist...naja, zumindest den NICHTBEGREIFER-pokal gibt's für papi auf alle fälle...WER hat mal behauptest, der FCSTP sei ein proletarischer verein???)
"und nun redet er sich WIEDER in rage...ich weiß ja, was gleich kommt...ich höre jetzt auf zu lesen!!!- oller meckerbolzen"
es ist ja nicht so, daß ich meckern will...ich hätte auch lieber, daß alles gut und schön und erfolgreich ist...vielleicht war das kiel-spiel mit dieser obskuren aufstellung ja ein umdenken, daß der OLAF seine taktik wieder an den spielern orientiert, die er hat und nicht an denen, die er gern hätte. 
dafür dürfte die heutige partie ziemlich richtungsweisend sein...nicht nur durch die tatsache, daß mit dödeldorf die zweite absolute spitzenmannschaft dieser saison ans millerntor kommt.
sondern auch, weil düsseldorf die letzten jahre immer eine ausgewiesene KACK-mannschaft gewesen ist, auch wenn WIR es doch waren, die die letzten duelle zumeist gewonnen hatten...
gut, herr THÜ ist nicht mehr bei uns und erstaunlicherweise sind die dödel vom rhein ziemlich gut in die neue saison gestartet...

wobei...um gleich mal das bashing zu erledigen...düdorf IST und bleibt ne schauspielertruppe, auch wenn sie diesmal nicht so schlimm waren wie früher -
herr BRYCH ist ein dazu passender schauspieler und selbstdarsteller, der normalerweise auftritte am millerntor dazu benutzt, um sich andy-grote-mäßig als vertreter von "law and order" zu präsentieren, was bedeutet, im zweifelsfalle gegen die linksversifften braun-weißen spieler zu pfeifen...JA, das hat er denn, wenn es strittig war, auch getan...der anlaß für die gelbe für herrn sobota war ein witz, aber dem WALDEMAR gebürte die gelbe auf grund einer vielzahl von aktionen allein schon wegen DÄMLICHKEIT (siehe das foul vor dem vermeindlichen 1:2)...wobei...so GAR keine karte gegen düsseldorf war schon ein bißchen wenig im vergleich...

aber selbst der BRYCH war nicht schuld, trotz allem, was auf ihn einprügelt von st. pauli affinen seiten und menschen im netz...der elfer war kein elfer, das abseitstor war abseits
zuzuschreiben haben wir uns die niederlage mal wieder selber...der AZIZ hat wade und der FLUM kriegt die bank...warum auch immer, manchmal frag ich mich, ob der OLAF die ersten elf, die aus dem bus steigen, aufstellt. 
was ist das für ein mittelfeld??? - einen neudecker auf der sechs zu verschenken und einen herrn dudziak, der offensiv bisher gar nichts gerissen hat, quasi als außenstürmer und zwei außenstürmer, die sich um den vakanten platz auf der nummer zehn streiten, was beide nicht spielen können. 
die ORDNUNG im mittelfeld ist demzufolge eine katasthrophe, ordnende pässe gleich null...wenn es denn eine form von spielsystem geben sollte, dann hält sich irgendwer nicht daran (oder ist das das spielsystem, dem gegner eine seite anzubieten und sich komplett auf der anderen zu tummeln???)
zwei bälle über die verwaiste linke st. pauli seite - weil sich alles offensive personal nur auf der anderen seite tummelte und jeder, der SCHENGG und der WALDEMAR den 10er geben wollte - reichten aus, um den dödeln vom rhein eine 0:2 führung zu ermöglichen...
besonders tragisch, daß das zweite tor ausgerechnet dem herrn HENNINGS gelang, nach dem einzigen fehler von herrn AVEVOR, wenn man ihm das denn als fehler zurechnen möchte...genug geschumpfen über ihn... schon wieder einer der - wenn nicht der beste - auf dem platz. 
ich buche DAS mal unter unter dumm gelaufen, ansonsten gehört der avevor-CHRISTOPHER für mich zu den größten bisher, hat sich unglaublich gesteigert in den letzten wochen und jetzt wo der lasse auch wieder da ist, halten die zwei den laden ANSICH zusammen - 
wenn denn der rest auch mitspielen würde...DASS herr himmelmann bei ecken in der regel nicht rauskommt, hat sich mittlerweile rumgesprochen, also stehen die innenverteidiger zu tief, also, immer schön den ball vom torwart wegziehen...so sehen eckbälle gegen uns immer irgendwie aus wie strafecken beim hockey, dieses so offensichtliche nervt!!! (oder bin ich der einzige, der das sieht - der das SO sieht???)...
VIELLEICHT sollten wir in zukunft nur noch auswärts spielen, denn was immer wir uns zu hause VORNE vornehmen zu anfang, reißen wir uns nach relativ kurzer zeit HINTEN mit dem arsch ein. 

ich will es mal so formulieren...wenn die dödeldorfer lust gehabt hätten, hätte das eine weitere ingolstadtiade geben können...hatten sie aber nicht...insofern glück gehabt - UND...man hätte jetzt ja auch den sand in den kopf stecken können...OH NEIN, bitte nicht schon wieder und hätte dann 75 minuten statt 45 minuten lang so wie gegen ingolstadt spielen können...sinnlos, mutlos, nutzlos.
haben wir aber nicht!!!
und wenn man's denn spielerisch nicht richten kann, muß es manchmal der pure wille sein, sich in das spiel zurückzubeißen und sich diesmal NICHT so abschlachten zu lassen wie gegen ingolstadt. 

wir KÖNNEN es doch ansich...sogar herr DUDZIAK kann mal einen lichten moment haben und auch der SCHENGG kann sogar hängende spitze geben.
bezeichnenderweise WIEDER ein tor durch einen distanzschuß...wie ich schon schrub, mir vollkommen egal, wie die tore für uns fallen, solange sie denn fallen (wobei der ball bezeichnenderweise durch einen dödeldorfer noch unhaltbar abgefälscht wurde) - aber da is denn schon das zweite manko...
wir haben jetzt nach ACHT spielen SIEBEN tore auf der habenseite...nur fürth und lautern haben weniger und die können heute noch nachlegen...können uns natürlich nicht vom achten tabellenplatz vertreiben, so wie auch sonst keiner.

aber aufpassen müssen wir...die zweite halbzeit war KÄMPFERISCH so ziemlich das beste, was ich bisher am millerntor gesehen habe diese saison, aber es ist halt bezeichnend, daß wir trotz aller passivität der dödeldorfer nix zählbares zustande gebracht hatten...
und ja, natürlich hatte der WOLF im fortuna-tor ziemliches fortune und einen echten sahnetag erwischt und denn war da ja noch der brychdoktorfelix...alles richtig, aber defacto haben wir die murmel nicht im kasten untergebracht...

alles für uns, mehr ballbesitz, mehr angekommene pässe - aber was bringt das, wenn das nur rumgedödel ist und die ENTSCHEIDENDEN pässe nicht ankommen - mehr torschüsse und mehr ecken...aber was bringt das, wenn düsseldorf aus drei ecken ein tor macht und wir aus sechs keines...wenn düsseldorf neun mal auf's tor schießt und zweimal trifft und wir bei 15 torschüssen nur einmal. 
ich mein, ein herr ALLAGUI darf denn, wenn er mal von anfang an spielen und die einzige echte spitze geben darf, GERN auch mal etwas mehr machen, als nur seine gehaltabrechnung und seine frühere klasse über den platz zu schieben... wenn er denn einstmals ein knipser war, es ist ihm nicht verboten, daß er das auch mal für seinen neuen verein zeigt...das ist in summe alles zu wenig.
wille, kampf, anrennen, bemühen - alles in ordnung - ergebnis nicht.
wir HÄTTEN uns einen punkt mit all den vier punkten verdient gehabt und andererseits auch wieder nicht - ersteres ist die braun-weiß gefilterte veriensbrille, letzteres leider meine objektive meinung - mit einem tag abstand, vielen spielberichten und videos geht das ergebnis leider objektiv in ordung...
wenn der LASSE als ansich-abwehrchef den mittelstürmer geben muß in den letzten spielminuten, stimmt was mit dem sturm nicht...
und per se ist selbiger ansich für das toreschießen verantwortlich...ein spiel gewinnst du, indem du mehr tore schießt, als du hinten kriegst.

und PUNKTE gewonnen haben wir bisher nur, wenn wir zuerst getroffen haben in des gegners tor und nicht der in unseres...was ja vielleicht auch mal dafür spricht, zunächst die defensive zu stärken und diese rotze mit den zwei stürmern zu lassen, das zentrum zu verstärken, um einfach erstmal diese dämlichen gegentore zu verhindern, die uns fast jedes spiel den erfolg kosten.
also mal einfach bäcktosseroots, was uns letzte saison in der zweiten halbserie stark gemacht hatte...
diesen ganzen göttlichen quatsch von wegen "wir können alles, auch aufsteigen" sollten wir uns erstmal schenken, defensiver agieren, das muß nicht schick aussehen, nicht aus 45 sinnlosen ballstaffeten bestehen, die letztendlich irgendwo wo der eckfahne im aus landen, weil sich im zentrum alles tummelt, was da nicht hingehört, weil das zentrum im 4-4-2 ja nominell nicht besetzt ist.

denn mußt du auch nicht mehr mit jenen sinnfreien langen bällen agieren in den letzten brechstangen-minuten, weil das spiel durch das zentrum nicht geht.
SO, wie wir die zweite halbserie gespielt haben letzte saison...sowas würd ich gern mal wieder sehen...MEHR struktur, MEHR stärken, die wir haben und weniger SYSTEM, das ein trainer will, der auch noch so oft mit daumen hoch als EWALD-kopie um die geraden kurven kann - nenene...so kann man zwar als trainer um sympathien betteln, wird sie aber mit dieser spielweise NIE erreichen...dem bienenwalt hat man das abgenommen, diese identifikation, dem OLAF nimmt man nur die identifikation mit seinem job ab, den er halt grad zufällig bei uns verrichtet.

ich bin noch weit entfernt von dem bereits beginnenden trainer-bashing...ich bin auch weit entfernt davon, die prognose abzuliefern, daß der OLAF mai 2018 nicht mehr cheftrainer beim FCSTP sein wird.
er sollte NUR zu hause langsam mal ein wenig liefern...so ein heimsieg wäre mal wieder schick...so viel personal haben wir nicht gewechselt, insofern können die jungs, die letzte halbserie fast alles richtig gemacht haben, doch ansich nicht alles falsch machen können - und wenn momentan viele vieles falsch machen und die erfolge ausbleiben, sollte man sich mal fragen, warum das so ist.
aufgabe eines trainers ist doch "jeden spieler jeden tag ein wenig besser zu machen" - sagte einstmals jürgen da-ist-eine-gewisse-freude-in-mir-klinsmann über seine tätigkeit bei fc bayern...ist dem damals nicht gelungen...
gelingt dem olaf momentan auch nicht, oder???





Sonntag, 17. September 2017

VIER RINGE DINGER

2. BL:
FCSTP - fc ingolstadt 04  0:4





ich schreib ja keine blocks über spiele, die ich nicht im stadion gesehen habe...
aber ich will es mal so formulieren, das glück ist momentan schon etwas beängstigend und die zweite liga verwirrt das tipperherz.
da stehen solche trümmertruppen wie düsseldorf und bielefeld oben...gut, darmstadt hatte man da wohl erwartet, da marschiert ein aufsteiger wie holzbein kiel und denn kommen auch schon wir...
spielen einen grottenschlechten fußball, keiner der stürmer trifft einen LKW aus drei metern entfernung, denn sind auch noch drei stammspieler verletzt und denn gewinnst du IN nürnberg..was ja auch eher so eine station im kalender ist, wo ich denke - okay, laß die klatsche nicht zu bitter werden.

die herren himmelmann und avevor hatten einen sahnetag erwischt und herr SOBOTA war wohl einer der wenigen, der am freitag vor dem spiel einen pixelfreien eurosport-player hatte und sich mal abgeguckt hatte, wie man agiert, wenn man relativ flink und ballbeschlagen ist und zwei sich kreuzende abwehrspieler sich nicht einigen können...
mit fünf geschossenen toren in fünf spielen auf platz fünf, verdient schon respekt...aber weniger als fünf tore geschossen haben halt auch nur die vier letzen der tabelle...DA, im keller, würde man halt auch nicht fürth, heidenheim und lautern vermuten...UND, auf dem platz über dem strich, schon gar nicht den vorjahreserstligisten fc ingolstadt...ein sieg, vier niederlagen ist doch eine eher ernüchternde bilanz für einen der aufstiegsfavoriten.

nach drei spieltagen - drei niederlagen - haben die herren der ringe (in diesem falle ja mal vier) auch gleich reagiert und trainer walpurgis zurück in die nacht auf den brocken geschickt...nun ist sein co-trainer leitl der leitwolf...vielsagend mit dem titel "interimstrainer" ausgestattet, also sozusagen hütchenaufsteller und mannschaftsbespaßer auf abruf, denn interim heißt ja "mach mal, solange bis wir was besseres finden...BESSER ist dann irgendwann jeder, wenn du nicht raschestens erfolge vorweisen kannst...
ich weiß nicht...dieses interimstrainertum...ist ein wenig spiegelbild der gesellschaft, oder...sozusagen "ehe to go"...was waren das für zeiten, als heinz hempel 10 jahre lang trainer bei st. pauli war...rehagel und scharf trainierten bremen ähnlich lange - in einer zeit, in der keiner zeit mehr über die ECHTZEIT hinaus hat, ist ZEIT geben, scheinbar kein gefragtes gut mehr.
es zählt gewinn, erfolg und zwar schnell...der börsenkurs muß hoch, geld muß rein und dafür wird alles andere untergeordnet (womit ich jetzt ansich wieder bei den vier ringen wäre...schade...im fußball is halt wichtig aufm platz, da kann man spielwerte nicht auf dem trainingsgelände simulieren, um so die richtigen abgaswerte...äh punkteausbeute zu simulieren) 

aber die frage ist doch, wie soll ich denn etwas aufbauen, wenn ich - wie es die schanzer tun - meinen kader für die fußballmannschaft jedes jahr so zusammen stelle, wie man es auch im eishockey tut...im eishockey geht sowas.
aber im fußball...wo immer man nicht alle 30 sekunden fünf mann wechseln kann - finde ich schwierig...12 leute gehen und 17 neue kommen.
sowas braucht zeit...das kann man, denke ich, nicht in sechs wochen vorbereitung machen...die crux wird sein, ingolstadt zu erwischen, zu erwischen, BEVOR das alles sich eingeschliffen hat, denn bei den 17 neuen, die in die stadt der ringe gewechselt sind, ist ziemlich viel spielerische qualität dabei...mehr als es der tabellenplatz vermuten läßt.

ich mein - auch wenn ich über die qualität UNSERES kaders mecker und gern noch zwei spieler gehabt hätte...wir haben defacto vier spieler ziehen lassen und dafür drei neue geholt sowie drei jungs aus der u23 hochgezogen, die eh schon in der vorsaison in der ersten mannschaft ausgeholfen hatten.
ist das jetzt gut, oder ist das schlecht...wir haben uns ja, so sprach unser göttlicher präsident, gehaltstechnisch schon letzte saison ziemlich aus dem fenster gelehnt...ich denke mal unser top transfer, herr ALLAGUI, wird auch nicht für dreiköfteundnei ans millerntor gewechselt sein.

nunjadenn...sagte ja unser göttlicher vereinsführer...alles ist möglich, auch der aufstieg - ALLES heißt vielleicht allerdings auch, daß der kader letzte saison in der rückrunde am limit agiert hatte, vielleicht auch verdammt viel glück hatte und daß vielleicht dieses limit nicht mehr reichen könnte für solche vielleicht-ansprüche...und vielleicht geht dir auch einfach mal das glück aus.
das glück, welches wir in den ersten spielen hatten...wo wir ansich nie die bessere mannschaft waren, aber denn immer wer irgendeinen rausgehauen hatte...ich mein wir reden von fünf toren bisher, von denen VIER von defensiven mittelfeldspielern erzielt wurden - das KANN natürlich auch ein plan sein, daß die stürmer gar keine tore schießen sollen, sondern nur platz für das mittelfeld schaffen sollen, das dann die tore erzielt.
KANN allerdings auch vielleicht sein, daß herr janßen nun ungebremst durch den bienenzüchter und sky-experten lienen sein system durchziehen möchte und bislang damit bisher rechtschaffen glück hatte.
so ist das heute eine echte battle der systeme...schafft es herr leitl eher, aus seiner söldnertruppe aus der vier-ringe-stadt eine mannschaft zu formen, als es dem OLAF gelingt, unserem haufen das 4-4-2 beizubringen.
ich will es mal so formulieren...vielleicht HÄTTE das offensiv anders ausgesehen, hätte MMD nicht probleme mit dem hüftbeuger gehabt, so fiel denn auch die zweite einzige ordnende kraft im mittelfeld aus neben herrn buchtmann.
was übrig bleibt...was denn auch auf dem platz auflief, war ein haufen von 10 einzelspielern...man hätte fast annehmen können, der FCSTP hätte vor der saison 17 neue spieler geholt und inzwischen einen neuen trainer. 
muß ich jetzt irgendwen hervorheben???
hmmm...ich als nicht christopherfreund den herren AVEVOR...sausolide partie, abräumer, hat in der defensive alles verhindert, was zu verhindern war.

nicht verhindern konnte er, weil eine mauer nun mal aus drei-vier-fünf spielern besteht und nicht nur aus einem, daß die ingolstädter noch recht glücklich nach nur sechs minuten einen freistoß versenken konnten.
was auch IMMER der plan der plan gewesen war...der war jetzt makulatur ...einen plan B gab es scheinbar nicht. 
fulminante ballstafetten aus zwei, maximal drei pässen, dann war die murmel wieder beim gegenspieler...oder im aus...oder abgegrätscht durch die agressive ingolstädter defensive - die holten sich FÜNF gelbe karten ab, gefühlt davon alle für fouls im mittelkreis, wo der kontrollierte spielaufbau (wenn man das denn mal so nennen möchte) des FCSTP zumeist endete.
st. pauli hatte keine einzige...das lag sicher zum einen an dem schiedsrichter; herr schöder war sichtlich bemüht, uns zu helfen, wo er nur konnte (um das mal so zu formulieren), zum anderen aber auch daran, daß die herren der ringe uns in punkto schnelligkeit einfach überlegen waren und die abwehrspieler zu keinem zeitpunkt einen echten zugriff hatten...
ich mein, schick isses ja, vielleicht abzusteigen und dafür den fair-play-pokal zu gewinnen...halte ich als konzept nicht für zielführend.

nicht, daß ich etwa der fahrlässigen oder vorsätzlichen körperverletzung jetzt das wort rede (was ein foul ja ansich ist)...aber von einem spielführer - neee, doofes wort - also von einem herrn NEHRIG hätte ich mal erwartet, daß er auch den "agressive leader" gibt, einen nervsack wie den herrn KITTEL oder herrn PIEDL (deine frisur ist SOOO 80ER!!!) einfach mal umhaut nach dem 0:1 - dem 0:2 - nach welchem gegentor auch immer, um zu sagen: "NOT IN MY HOUSE"!
neee, nix...pustekuchen - bzw pusteblume - stattdessen ein fehlpaß bei einem halbherzigen klärungsversuch und es steht 0:2 und ein weiterer ballverlust, der dann zum 0:3 führte...IMMERHIN war er am 0:4 nicht beteiligt...

schade, daß kein dom war, sonst hätte man jetzt besser kettenkarussell fahren können - ACHTERBAHN hätte nicht zum spielverlauf gepaßt, denn im rest der ersten halbzeit gab es nur noch AB und in der zweiten hälfte kein AUF. 
zehn lethargiker, die auf dem platz herumstolpern und hinten im kasten die ärmste sau des tages...ein schickes freistoßtor, drei schnelle und schicke konter, von denen der dritte sogar mit einem tunnel endete.
insofern gibt's von mir keine HIMMELMANN-schelte heute, sondern ne gepflegte tüte mitleid für den alleingelassenen...
SCHELTE...naja...schwierig, jemanden da besonders hervorzuheben...

der SCHENGG war zwar bemüht, aber ein bewerbungsvideo für einen stammplatz war das definitiv leider nicht...er KANN das ja alles besser, paßte sich aber dem unterirdischen niwoh der restlichen truppe an.
und kann mal bitte IRGENDJEMAND herrn sobota sagen, daß er NICHT arjen robben ist...und NICHT lionel messi...auch nicht sowas ähnliches. 
und wenn er ständig seine außenbahn verläßt und sich überall und nirgendwo auf dem platz herumtummelt, ist in einem 4-4-2 auch sein außenverteidiger permanent alleine, egal, ob das nun herr DUDZIAK oder jemand anders ist.
der hatte diesmal in der defensive gar keinen soo schlechten tag, in der offensive war er genau so fürchterlich und hilflos wie herr ZANDER auf der anderen seite...da mußte ich immer gucken, ob die die rückennummer finde, um festzustellen, ob der überhaupt noch mitspielt.
wobei die ingolstädter ja nicht mal DIESE schwäche brauchten, sondern die andere nutzten...den hubschrauberlandeplatz im zentrum, der entsteht, wenn die zwei zentralen mittelfeldspieler eher als abräumer denn als als gestalter agieren, also bei ballbesitz nicht mit nach vorne rücken, um aus den zwei zweierreihen eine viererkette zu machen - was natürlich auch passiert, wenn bei ballverlust sich die zwei defensiven zurückziehen und die beiden offensiven nicht mit nach hinten arbeiten...also der SCHENGG oder herr SOBOTA oder wer auch immer da auf dem platz steht. 

ob herr litka nun den MMD oder den zweiten stürmer geben sollte, hat sich mir nicht so GANZ erschlossen...wußte er wohl selber nicht so ganz genau, jedenfalls war er mit BEIDEN rollen ziemlich überfordert. 
nun könnte man sagen...okay...die ingolstädter haben ihr system gefunden, haben es geschafft aus der individuellen qualität ihrer söldnertruppe ein TEAM zu formen und wenn es denn defensiv nicht reicht, SOLLTE man als unterhund und HEIM-mannschaft vielleicht wenigstens in der offensive was reichen... also vielleicht nicht 0:4 verlieren, sondern vielleicht - st.-pauli-style der 90er - NUR 2 oder 3:4 nach heldenhaftem kampf...ich hätte ja gar nicht erwartet, nach dieser ersten halbzeit, daß wir das spiel noch drehen (wobei, ich hätte auch nicht DIESE erste halbzeit !!! erwartet)...aber so ein BISSCHEN mehr leidenschaft, kampf, anrennen finde ich jetzt nicht zu viel verlangt...
aber bei allem kampf und anrennen...BITTE, laßt doch endlich mal diese vollkommen sinnfreien langen hohen bälle aus dem halbfeld, die ihr dem AZIZ auf die schulterblätter oder auf den kopf knallt...immer der gleiche scheiß...
schon bei verhoek, bei budimir, bei sako...unser kopfballungeheuer heißt nun mal SOBIECH, vielleicht sogar allagui, könnte man ja mal probieren.

WENN der denn lust haben sollte, sich vernünftig am spiel zu beteiligen und seinen gehaltsscheck zu rechtfertigen, den er von uns erhält. 
eine halbzeit lang hatte er ja zeit dafür...wobei ich ja vielleicht eher den nehrig als den flum rausgenommen hätte, wenn man denn schon einen sechser opfern möchte, aber ich bin ja nicht der cheftrainer...
vielleicht hätte ich ja auch eher den herrn litka erlöst von seinem überaus glücklosen auftritt und nicht den AZIZ rausgenommen, um herrn schneider zu bringen, der sich nahtlos in die rolle der glücklosen einreihte, denn an dem aziz hatte es ja auch nicht gelegen, sondern an den bällen, die er bekommen bzw NICHT bekommen hatte...und hätte den herrn allagui dann auf außen gestellt, was er defacto denn auch eher gespielt hatte, wenn man den auftritt vom SAMI denn als mitspielen bezeichnen möchte und nicht als "anwesend sein".
und vielleicht HÄTTE ich, wenn man denn schon 20 minuten vor schluß die variante brechstange wählt und den LASSE bringt, eher den DUDZIAK rausgenommen oder den ZANDER statt des herren hornschuh, den ich dann auf außen gestellt hätte, damit ich dann noch zwei lange auf dem platz gehabt hätte - gut...brechstange setzt natürlich voraus, daß ich unfallfrei so weit nach vorne komme, daß ich standartsituationen (freistöße, eckbälle) heraushole, um flanken auf meine kopfballungeheuer schlagen kann...und daß ich spieler auf dem platz habe, die solche flanken auch schlagen können...

was ja aber auch nicht der fall war...wenn ich denn vielleicht gewechselt hätte, dann nehrig raus - neudecker rein...litka raus (oder sobota) und schneider rein, dudziak raus und lasse rein...nicht zwingend in der reihenfolge und mal ausgehend von der tatsache, daß ich natürlich nicht cheftrainer bin und daß der OLAF leistungs- und nicht verletzungs- oder kräftebedingt gewechselt hat.
insofern - weil ich das nicht weiß, laß ich das heut mal mit dem jansen-bashing ...paralysiert von der leistung der SPIELER, die - unabhängig von dem system, welches ich immer noch kritisiere - einen leidenschafts- und seelenlosen stiefel abgespielt haben...wozu auch der schluß der veranstaltung paßte...
da war die haupttribüne schon zu großteilen im kuchenbereich verschwunden, solange die schnittchen noch frisch und der rehrücken noch warm ist und eine müde truppe zog alibiklatschend durch die nicht vorhandenen kurven mit dem ziemlich lächerlichen grüßaugust OLAF, dessen eignung als publikumsmotivator im vergleich zum CHEWALD im ähnlichen verhältnis steht wie die eignung als revolutionsagitator von herrn breschnew im vergleich zu herrn TROTZKI.

was bleibt...eine bittere klatsche, die nur deshalb nicht schlimmer ausfiel, weil ingolstadt in der zweiten hälfte milde walten ließ, nicht etwa, weil wir etwa besser geworden wären...BESSER werden sollten wir allerdings:
gewinnt bochum am sonntag, sind wir NUR noch 8ter...immer noch achter ...ABER am dienstag müssen wir beim überraschungsspitzenreiter KIEL antreten und kriegen dann zum nächsten heimspiel den überraschungszweiten von der FORTUNA aus düsseldorf als gast.

da KANN es natürlich auch überraschungen geben - und ich lass mich gerne positiv überraschen - dem momentum nach KANN es aber auch die nächsten zwei klatschen geben und dann sitzen wir plötzlich nicht mehr im kettenkarussell, sondern in einer bösen abwärtsspirale in einer region in der tabelle, wo wir alle nach der letzten saison nie mehr hinwollten.








Dienstag, 12. September 2017

JÜDISCHES LEBEN AM GRINDEL




im jahr der machtübernahme zählte die jüdische gemeinde in hamburg 19.410 mitglieder - die tafel vor dem platz der jüdischen deportierten spricht von 24.000 jüdischen mitbürgern...die differenz erklärt sich durch die unterschiedliche definition des judentums - die 4.500 juden, die die tafel dazuzähltwaren jüdische konvertiten oder abkömmlinge von denen, die also nach religiöser definition keine juden mehr waren, es dann aber nach der rassischen definition der nazis aber wieder wurden.
es gab kleinere jüdische gemeinden in den städten wandsbek und harburg,
die zweitgrößte befand sich in altona rund um das schlachterviertel (beim fischmarkt) - ein großteil der juden in alt-hamburg siedelte sich jedoch nach aufhebung der torsperre 1861 hier im grindelviertel an, das zu den stadtteilen rotherbaum und harvestehude gehört.

in beiden stadtteilen lebten 47% der hamburger juden.
man mag die bedeutung allein daran ermessen, daß von 5.223 bisher verlegten stolpersteinen allein 1.022 hier in rotherbaum liegen und 734 in harvestehude.
1937 zählte die gemeinde noch 15.308 mitglieder.
 als die auswanderung 1941 verboten wurde, waren es offiziell noch 7.547 (3.049 männlich, 4.498 weiblich)
nach dem ende des nazi-regimes lebten noch 647 juden in hamburg - 
es gibt 8.877 namentlich ermittelte opfer der shoa.
die hier lebenden juden waren überwiegend der mittelschicht zuzuordnen: 
89% gehörten zur gruppe der selbstständigen, angestellten und beamten,
42% der juden waren selbsständig (was einen ganz praktischen grund hatte - arbeiter mußten am sonnabend - dem sabbat arbeiten). 

ein anderer grund dafür ist, daß zum einen die jüdische religion an sich sehr viel wert auf bildung legte ("in einer stadt ohne schule sollst du nicht leben" sagt der talmud) - die erste jüdische mädchenschule in hamburg stammte aus dem jahr 1798 - und daß in den zeiten nach der "judenemanzipation" 1812 den juden zwar theoretisch fast alle berufe offenstanden (sie konnten grundsätzlich nicht offiziere werden), ihnen aber der zugang zu den meisten ständischen berufen weiterhin schwer gemacht wurde, so daß gesellschaftlicher aufstieg nur durch bildung und den gang in die freien berufe möglich war. 
die meisten größeren jüdischen unternehmen verblieben jedoch in anderen vierteln, vor allem die handelsunternehmen. 

1. PLATZ DER JÜDISCHEN DEPORTIERTEN

moorweidenstraße 36
hier befindet sich das größte logenhaus der "provinzialloge von niedersachsen", das stattlichste freimaurerhaus deutschlands.
1935 wurden das freimaurertum von den nazis verboten und das haus wurde beschlagnahmt.
1937 fiel das gebäude an die stadt hamburg, die das haus für lächerliche 150.000 RM erwarb, die liquidation des eigentums zog sich bis anfang 1941 hin. 
am 25.10.41 begann die systematische deportation der hamburger juden - in insgesamt 17 transporten wurden 5.848 personen deportiert, von denen nachweislich 5.296 ermordet wurden.
zählt man diejenigen dazu, die aus ihren zufluchtsorten deportiert wurden (niederlande, frankreich etc) starben wohl etwa 10.000 juden im holocaust. 
die jüdische gemeinde hatte, wenn ein deportationszug anstand, namenslisten zu erstellen - die genannten hatten sich am tag vorher hier einzufinden.
der jüdische religionsverband stellte in dem haus doppelstockbetten auf, was bei der großen zahl von menschen natürlich bei weitem nicht ausreichte, zudem waren die sanitären anlagen vollkommen unzureichend.
am nächsten morgen wurden die menschen dann registriert, auf lkw verladen und zum hannoverschen bahnhof verbracht, zunächst in die ghettos nach lodz, minsk und riga, die zuvor durch massenerschießungen von ihren polnischen bewohnern "gesäubert" wurden
nach der wannsee-konferenz 1942 erfolgten die transporte dann direkt nach auschwitz, bzw die älteren und prominenteren jüdischen bewohner wurden zunächst nach theresienstadt deportiert..
nach den großen deportationen wurde das haus ab 1943 als schlafstatt für ausländische zwangsarbeiter genutzt. 



25.10.41 1034 Juden nach Lodz - 1016 bekannte Opfer 08.11.41 988 Juden nach Minsk - 952 bekannte Opfer 18.11.41 987 Juden nach Minsk - 977 bekannte Opfer 06.12.41 753 Juden nach Riga - 726 bekannte Opfer 11.07.42 300 Juden nach Auschwitz - 292 bekannte Opfer 15.07.42 926 Juden nach Theresienstadt - 882 bekannte Opfer 19.07.42 771 Juden nach Theresienstadt - 669 bekannte Opfer 12.02.43 24 Juden nach Auschwitz - 21 bekannte Opfer 24.02.43 51 Juden nach Theresienstadt - 36 bekannte Opfer 10.03.43 50 Juden nach Theresienstadt - 38 bekannte Opfer 11.03.43 328 Sinti und Roma nach Auschwitz - 168 bekannte Opfer 24.03.43 50 Juden nach Theresienstadt - 48 bekannte Opfer 05.05.43 51 Juden nach Theresienstadt - 32 bekannte Opfer 09.06.43 80 Juden nach Theresienstadt - 66 bekannte Opfer 23.06.43 109 Juden nach Theresienstadt - 91 bekannte Opfer 19.01.44 61 Juden nach Theresienstadt - 20 bekannte Opfer 13.01.45 19 Juden nach Theresienstadt - Zahl der Opfer nicht bekannt 14.02.45 194 Juden nach Theresienstadt - 4 bekannte Opfer

2. NEUE DAMMTOR SYNAGOGE
campus der universität - beneckestraße 2
1895 wurde mit dem bau einer neuen großen synagoge begonnen, nachdem die am jungfernsteig 1887 durch einen brand zerstört worden war. 
die synagoge wurde im orientalischen stil errichtet und mit farbigen ornamenten versehen, sie lag in einem hinterhof hinter wohnhäusern, nur durch einen schmalen zugang zu erreichen, die front war mit farbigen ornamenten verkleidet....die synagoge besaß 500 plätze (300 für männer, 200 für frauen) 
1938 wurde die synagoge während der pogromnacht verwüstet, wurde jedoch durch spenden wieder soweit hergerichtet, daß hier bis 1943 noch gottesdienste der aschkenasischen gemeinde stattfanden.
1943 zerstörten britische bomber das gebäude.  
1943 diente der platz vor der synagoge auch als sammelstelle für die deportationen.  


3. WANDBILD JÜDISCHES LEBEN 

campus der universität, von melle-park 9
ehemals beneckestraße

1995 von cecilia herrero errichtetes wandbild, um an das ehemalige jüdische leben am grindel zu erinnern.








4. CALMANNSCHE FRAUENKLINIK



schlüterstraße / ecke johnsallee
das haus wurde 1916/17 gebaut, 20 jahre lang betrieg hier der jüdische gynäkologe ascher adolph calmann seine frauenklinik.
am 22. april wurde jüdischen ärzten (und "politisch unzuverlässigen") die krankenkassenzulassung entzogen, d.h. sie durften nur noch privatpatienten behandeln - jüdische ärzte im öffentlichen dienst wurden bereits zuvor durch das "gesetz zur wiederherstellung des berufsbeamtentums" entlassen. 
allerdings konnten viele ärzte zunächst aufgrund des "frontkämpferprivilegs" weiter praktizieren.
am 25. juli 38 wurde jüdischen ärzten generell die approbation entzogen (so auch herrn calmann), nur wenige jüdische ärzte durften als "krankenbehandler" noch jüdische patienten medizinisch versorgen. 
das eigentliche israelitische krankenhaus wurde 1843 in der eckernförder str. gegründet (gegenüber dem st. pauli eck - heute ortsamt st. pauli).
1939 wurde das gebäude als kriegslazarett beschlagnahmt und das israelitische krankenhaus zog um in die calmannsche frauenklinik. 
ascher adolph calmann verkaufte das haus 1938 dem diakonissenverein siloah und konnte noch 1940 auswandern. 
hier hielten die letzten 20 in hamburg noch als "krankenbehandler" zugelassenen jüdischen ärzte ihre sprechstunden ab. 
1942 wurde das krankenhaus geschlossen und mußte nun in das hospital im judenhaus schäferkampsallee 25-29 umziehen.
nach dem krieg diente das haus der universität hamburg als sitz für das seminar für verwaltungslehre, heute sind dort "sechs großzügig geschnittene wohnungen" zwischen 109 und 190 qm². 


5. IMMIGRATION
stolperstein heinrich poll -binderstr. 24



heinrich poll (geb. 1877 in berlin) war arzt am UKE, anatom, der erste professor für genetik an der universität berlin, ab 1924 professsor für anatomie und leiter des anatomischen instituts der universität hamburg.
polls forschungen in der eugenetik, der erbgesundheitslehre führten zu ergebnissen, die ihn ziemlich in die nähe der nazi-rassenlehre rückten...poll hatte sich schon 1923 als mitglied des "ausschusses für rassenhygiene und bevölkerungswesen" des preußischen landesgesundheitsrates für eine sterilisation von erbkranken ausgesprochen (auf freiwilliger basis, anders als später bei den nazis. 
Poll sammelte außerdem unmengen an daten, die später als "hamburger zwillingsarchiv" bekannt wurden...diese forschungen könnte man als vorstufe zu den experimenten bezeichnen, die später josef mengele in auschwitz betrieb.
Poll war 1899 zum protestantismus konvertiert, galt aber nach den nürnberger gesetzen 1935 als volljude und verlor so seine stelle nach einer denunziation durch einen kollegen -  heinz lohmann, einen vertreter der deutschen dozentenschaft...poll mußte seinen lehrstuhl abgeben, konnte trotz vielfältiger beziehungen (wahrscheinlich wegen seiner nähe zur nationalsozialistischen eugenetik) keine stelle im ausland finden. 
erst 1939 konnten kollegen ihm eine stelle an der universität lund in schweden vermitteln, dort starb er kurz darauf an einem herzinfarkt. 
seine ehefrau erreichte das exil erst nach dem tod ihres mannes - sie beging drei monate nach ihrer ankunft in schweden am geburtstag ihres mannes am 05.08.1938 selbstmord. 
bis 1937 waren etwa 4.000 juden aus hamburg ausgewandert, als das noch relativ einfach möglich war, denn bis zum novemberpogrom hatte das nazi-regime ansich ein interesse daran, das "judenproblem" dadurch zu lösen, daß die jüdischen bürger das land verließen
die meisten jüdischen bürger wanderten in die usa, nach israel, nach frankreich oder in die niederlande aus. 
bis 1941 immigrierten etwa weitere 7.500 juden, wobei die auswanderung einer ausplünderung durch die reichsfluchtsteuer gleichkam - insgesamt nahm der ns staat von 1933 bis 1941 941 mio RM an reichsfluchtsteuer ein.
ansich war die reichsfluchtsteuer 1931 eingeführt worden, um die kapitalflucht in der weltwirtschaftskrise zu begrenzen...wer seinen deutschen wohnsitz aufgab, um ihn ins ausland zu verlegen, mußte bei einem vermögen von über 200 TRM 25% an den staat abführen - die vermögensgrenze wurde allerdings schon 1934 auf 50TRM gesenkt.
zudem mußten juden ihr gesamtes umzugsgut deklarieren - auf alle anschaffungen ab 1933 mußte diese abgabe gezahlt werden, da diese anschaffungen so bewertet wurden, als seien sie zur kapitalflucht angeschafft worden - sprich: "weil der jude kein geld außer landes schaffen kann, hat er sich davon halt teure lampen / pelze / möbel gekauft, um so mit diesen gütern das geld außer landes zu schaffen" - diese anschaffungen wurden teilweise mit horrenden werten beziffert, so daß die abgaben den wert der angeschafften gegenstände deutlich überstiegen.
wem die flucht nach schweden oder israel / USA gelungen war - für ganz wohlhabende war shanghai noch ein wunschziel - hatte in diesem falle glück, gerade jene, die nach frankreich, belgien oder in die niederlande flüchteten, hatten zumeist deutlich weniger glück...anne frank aus frankfurt ist nur eines der beispiele. 
bis 1937 wanderten allerdings auch über 1.000 juden aus umliegenden gemeinden nach hamburg ein, weil bis 1938 die lage in hamburg noch relativ entspannt war im vergleich zum leben in kleineren gemeinden. 
bis 1937 galt hamburg noch als wirtschaftliches notstandsgebiet, die weltwirtschaftskrise hatte hamburg besonders getroffen und die stadt lebte weniger von industrie oder landwirtschaft, sondern vielfach vom handel, in dem viele jüdische unternehmen aktiv waren.
nach den boykottaktionen gegen jüdische unternehmen am 1. april 1933 kam es zu vielen negativen reaktionen und boykottaufrufen aus dem ausland, gerade aus england, mit dem hitler immer noch eine verständigung suchte und mit dem viele jüdische unternehmen verbunden waren. 

6.  BORNPLATZ-SYNAGOGE

joseph-carlebach platz 
die zweite große synagoge der deutsch-israelitischen gemeinde, die das gelände 1902 erworben hatte - der bau wurde 1904 begonnen und 1906 wurde das gebäude eingeweiht - die synagoge war die größte in europa.
sie hatte 1.200 plätze, davon 500 für frauen, die kuppel war mit einer höhe von 40 metern weithin sichtbar, bestand aus schwarzem, rotem und weißem marmor mit bronzenen ornamenten. 
bereits seit 1930 kam es vor der synagoge immer wieder zu antisemitischen vorfällen, so daß die gemeinde für feiertage polizeischutz beantragte. 
1936 nahmen 2.000 menschen und 200 ehrengäste an der amtseinführung des oberrabbiners joseph carlebach teil.
am 9. november 1938 wurde die inneneinrichtung zerstört, zwei tage später feuer gelegt...die synagoge durfte nicht mehr aufgebaut werden.
1939 wurde die gemeinde gezwungen, das gelände an die stadt zurück zu verkaufen und die kosten für den abriß der synagoge zu tragen.
nach 1940 wurde der hochbunker errichtet. 
die nazis hatten auf dem platz einen park geplant, nach dem krieg diente der platz der universität als parkplatz, bis er zum 50sten jahrestags des novemberpogroms in seiner jetzigen form umgestaltet wurde. 

7. JUDENHÄUSER

bornstr. 16 und 22
dillstr. 13, 15, 16
heinrich-barth-str. 8, 17, 19III
rappstr. 3, 15
rutschbahn 15, 25a/c
seit 1938 durften juden nicht mehr als makler, grundstücks- oder wohnungsverwalter arbeiten - die jüdischen immobilien wurden nicht enteignet, sondern der zwangsverwaltung der"hamburger grundstücksverwaltungs-gesellschaft" unterstellt, die offiziell einer stiftung gehörte, die gauleiter karl kauffmann gegründet hatte, der mit den gewinnen offiziell "soziale projekte" unterstütze, das geld de facto jedoch als schmiergeld für parteigenossen gebrauchte - damit 
befand sich quasi der ganze jüdische immobilien- und grundbesitz in der zwangsbewirtschaftung der nazis.  
das reichsgesetz "über die mietverhältnisse der juden" von april 1939 hob den mieterschutz und die freie wohnungswahl für juden auf.
juden, die in stiftswohnungen wohnten, wurden in wenigen stiften konzentriert, die anderen stiftungen arisiert - später wurden auch andere jüdische wohnungen konfisziert und die bewohner in wohnungen zwangseingewiesen. 
ein kleiner vorgeschmack auf die ghettos im osten.
das hieß auch, wenn ein deutscher ein auge auf eine wohnung geworfen hatte und er eine begründung vorlegen konnte, warum er diese wohnung "brauchte", konnten juden ausgewiesen werden. 

8. JÜDISCHE LÄDEN - konditorei seligmann
rappstr. 18

vor allem zwei sorten von betrieben kommt im judentum besondere bedeutung zu: bäckereien und metzgereien

bäckereien wegen des berches, des hefezopfes, der am freitag bei dämmerung fertig sein mußte (wegen des arbeitsverbotes am sabbat) - 
wer also keine zeit oder keinen ofen hatte, bereitete seinen teig zu, brachte das brot zum bäcker und holte ihn dann vor sonnenuntergang ab. 

aber auch der nichtjüdische bäcker hempel (rutschbahn, heute ist dort die bäckerei effenberger)) fertigte das sabbatbrot an (das mußte ein rabbiner genehmigen)
da juden der verzehr von blut verboten ist, dürfen orthodoxe juden nur fleisch essen, daß von geschächeten tieren stammt...die tiere dürfen vor dem töten nicht betäubt werden - betäubung gilt als verletzung und verletzte tiere sind unrein.
koschere metzgereien gab es mehrere hier
willy & gustav stoppelmann (heinrich-barth-str. 4)
gerson stoppelmann (dillstr. 16)
h. horwitz (rappstr.), S. Lippmann (bornstraße), a. löwenstein (grindelhof)
daneben gab es spezialläden für koscheres geflügel:
j. hertz (bornstr.), m. ehrlich (grindelhof 55), Eller (rappstraße), p. gelber (rutschbahn)

kolonialwaren gab es u.a. bei elkan (heinrich-barth-str.), j. magnus und läufer (beide rappstr.), grünberg (rutschbahn)


9. CARL BELZINGER - SUIZIDE
bornstr. 18

carl belzinger war selbstständiger kaufmann für strumpfhosen und trikotagen, lebte mit seiner christlichen ehefrau lilly zunächst in der isestr.., der parkallee, dann in der bismarckstr. und schließlich hier in einer erdgeschoßwohnung.
belzinger war schwer zuckerkrank, erhielt noch sonderlebensmittelrationen, weil er in einer privilegierten mischehe lebte
seine frau war nach mehreren herzanfällen von winter 1940 bis frühjahr 1941 im eppendorfer krankenhaus.
am 23.09.42 erhielt carl den bescheid, er und seine frau müßten ihre wohnung räumen - die situation in den sogenannten judenhäusern in der nähe dürfte ihm bekannt gewesen sein, sein bruder war zudem am 19. juli 1942 nach theresienstadt deportiert worden - während seine frau noch besorgungen machte, erhängte er sich im treppenhaus.
da selbstmorde von der polizei als "unnatürlicher todesfall" registriert wurden, ist es schwierig, die zahl der suizide zu ermitteln, die menschen jüdischen glaubens verübten - offiziellerer lesart zufolge sind 319 suizide registriert, darin enthalten 190 für die zeit der deportationen ab 1941.


10. ALFRED PEIN - AKTION ASR
bornstr. 22

mit der aktion "arbeitsscheu reich" wurden im april und juni 1938 mehr als 10.000 männer verhaftet...das betraf in erster linie obdachlose, bettler, landstreicher, prostituierte, sinti und roma, alkoholiker, menschen mit unbehandelten geschlechtskrankheiten und im juni dann auch juden, die vorstrafen von mehr als vier wochen hatten
1.200 österreichische juden kamen mit der ersten welle ins kz dachau, reichsweit wurden in der zweiten welle 2.300 juden inhaftiert. Ihre Vorstrafen gingen nicht allein auf „normale Delinquenz“ zurück, sondern beruhten oftmals auf verfolgungsspezifischen Delikten wie zum Beispiel Devisenvergehen oder gingen auf marginale Delikte wie Übertretung von Verkehrsvorschriften zurück. Ins Konzentrationslager Dachau wurden 211 jüdische Häftlinge eingeliefert. 1256 jüdische Männer kamen ins KZ Buchenwald und 824 ins KZ Sachsenhausen, wo sie brutalen Schikanen ausgesetzt waren.
alfred pein war ledergroßhändler gewesen, mußte den betrieb aber schon 1933 aus wirtschaftlichen gründen aufgeben...im zusammenhang mit dieser firmen-liquidation geriet pein ins visier der justiz, was im rahmen der AASR zu seiner verhaftung führte. 
pein kam ins kz fuhlsbüttel - einer anordnung zufolge wurden alle, die älter als 50 waren, nach wenigen tagen wieder freigelassen...pein war 48, blieb länger in haft und wurde nach seiner freilassung von der gestapo nach sachsenhausen verschleppt...nach seiner freilassung im frühjahr 1939 mußte er wochenlang mit erfrorenen fingern im krankenhaus behandelt werden. 
nachdem seine ehefrau, eine jüdische konvertitin, sich von ihm getrennt hatte, bemühte sich seine tochter inge um die ausreise.
pein bekam eine schiffspassage von genua nach shanghai, fuhr mit dem zug nach genua...am 1. september, als das schiff ablegen sollte, brach der WKII aus, alle passagiere wurden wieder in ihre heimatländer transportiert.
in hamburg zurück lernte er emmy süss kennen, heiratete sie und zog mit ihr und ihrer mutter in zwei zimmer einer dreizimmerwohnung, 2. OG - die zimmer waren am 8.11.41 frei geworden, weil das ehepaar leipheimer mit sohn rolf nach minsk "ausgesiedelt" worden waren. am 11. juli 42 wurde das ehepaar pein und emmis mutter rachel (mit neun anderen bewohnern dieses hauses) nach auschwitz deportiert, wo alle drei ermordet wurden.

11. TALMUD-TORA-SCHULE 
grindelhof 30

die TTS wurde 1805 gegründet und war die größte jüdische schule norddeutschlands, zunächst war sie an der elbstraße gelegen, dann in den kohlhöfen - 1911 zog die schule in dieses gebäude um, da vorwiegend mit spenden des bankiers max warburg erbaut worden war. 
die einst strenge religionsschule wurde unter ihren schulleitern joseph goldschmidt und joseph carlebach reformiert, so daß sie 1892 zur realschule und 1932 zur oberrealschule wurde.
1932 gingen etwa 50% aller schulpflichtigen jüdischen kinder auf diese schule

carlebach wurde 1926 oberrabiner in altona (1936 dann hier am bornplatz), sein nachfolger wurde arthur spier.
nach der machtübernahme durch die nazis wurden auch mädchen für die oberstufe zugelassen und spier ließ nun handwerkliches und landwirtschaftliches wissen vermitteln, um schüler auf die auswanderung nach israel vorzubereiten.
nach dem novemberpogrom wurde er verhaftet und mißhandelt, bald aber wieder freigelassen und erreichte die freilassung seines lehrerkollegiums, das nach sachsenhausen verschleppt worden war.
arthur spier organisierte danach die kindertransporte nach england, von einer reise nach england kehrte er 1939 nicht zurück, sondern wanderte in die usa aus, sein nachfolger wurde alberto jonas. 
april 1939 wurde die TTS mit der israelitischen töchterschule zusammengelegt und mußte im september in deren gebäude umziehen (ggü messehallen)
mit dem verbot aller jüdischen schulen mußte auch die schließen, die meisten schüler und lehrer wurden deportiert; nur 76 schüler und drei lehrer überlebten.
jonas und seine frau wurden 1942 deportiert; er starb in theresienstadt, seine frau wurde in auschwitz ermordet
nachdem die stadt das gebäude von der von der jewish claims conference erworben hatte und es für die FHS hamburg genutzt hatte, wurde das gebäude 2004 wieder an die jüdische gemeinde zurückgegeben und 2007 wieder als reguläre schule eröffnet.

12.  HEINZ LEIDERSDORF - WIDERSTAND 
grindelhof 30, TTS

bei den stolpersteinen vor der TTS fällt vielleicht der von heinz leidersdorf als eher untypisch auf.  geboren 1906 in amt neuhaus, schule in lübeck und lüneburg, studium der biologie und chemie in köln, marburg und hamburg, 1933 referendar und hilfslehrer an der TTS, nebenbei nachhilfelehrer, wohnte bei seiner mutter in rahlstedt
seit 1928 kpd, 1931 rote studentengruppe in hamburg, 1931 als trotzkist aus der kpd ausgeschlossen - mitbegründer der linken opposition der kpd, aus der nach der machtübernahme der nazis die internationalen kommunisten deutschlands hervorgingen - im november 1935 mit 80 mitgliedern der IKD verhaftet und ins kz fuhlsbüttel gebracht - 1936 wegen "vorbereitung zum hochverrat" zu neun jahren zuchthaus verurteilt, die er zunächst in fuhlsbüttel und dann in oslebshausen (bei bremen) absaß. 
01/1943 wurden 14.700 zuchthäusler auf anordnung des justizministers der ss übergeben und in kz's gebracht, jüdische häftlinge kamen in der regel nach auschwitz, so auch leidersdorf, der am 18.2.43 dort ermordet wurde. 

13. GRINDELHOF 40

hier befand sich die nsdap-kreisleitung hamburg-rotherbaum-harvestehude, wozu auch eimsbüttel gehörte
walter gloy wohnte mitten in diesem viertel, in der heinrich-barth-str. 32, später zog er um: beim schlump und gustav-falke-str. 
gloy war seemann, erwarb das offizierspatent und wurde kaptitän zur großen fahrt - im WKI bei der marine eingesetzt, wurde er 1919 arbeitslos.
1925 trat er der nsdap bei und leitete die ortsgruppe rotherbaum, wurde 1931 bürgerschaftsabgeordneter und 1933 kreisleiter in rotherbaum...
wurde  hafenmeister, oberhafenmeister, staatsrat und reichstagsabgeordneter (1936) - 1937 wurde er hauptamtlicher kreisleiter, wobei er - ein fanatischer antisemit, in "seinem judenbezirk" ein enges spitzelsystem aufbaute und eng mit der gestapo zusammenarbeitete, um juden zu denunzieren und zu drangsalieren.

1943 wurde er gaubeauftragter für die evakuierten hamburger / innen in schleswig holstein, nach dem krieg verhaftet, zu 1,5 jahren haft verurteilt, die jedoch mit der u-haft abgegolten waren...gloy versuchte vegeblich, sich vor gericht eine pension als oberhafenmeister zu erstreiten, starb 1953

14.  SOHN HOFFMANN
Rappstr. 16


das wohl jüngste opfer der shoa aus hamburg...
da beide eltern 1941 nach minsk deportiert wurden, kann man davon ausgehen, daß lydia zu diesem zeitpunkt schwanger war und ihr sohn im ghetto minsk zur welt gekommen ist und er ermordet wurde, noch bevor er einen namen bekommen konnte.





15. CAFÉ LEONAR

grindelhof 57
das café leonar gibt es hier seit 2008, zunächst am grindelhof 59 beheimatet, seit 2014 in die neuen räumlichkeiten umgezogen nach abriß des alten gebäudes.
benannt ist das café nach der papierfabrik leonar aus wandsbek, die den vorfahren des betreibers gehörte - die familie simmenauer, der die fabrik gehörte, floh 1938 aus deutschland nach frankreich und überlebte unter falschem namen in einem versteck in südfrankreich.
die tochter von walter - 1938 elf jahre alt - sonia zimmenauer kehrte nach deutschland zurück und eröffnete dieses jüdische café...es gibt koscheren wein und kein schweinefleisch auf der karte...viele kulturveranstaltungen und eine umfangreiche jüdische bibliothek.

16. ISRAELITISCHE HÖHERE MÄDCHENSCHULE
bieberstr. 4

die schule war 1893 von oberrabbiner marcus hirsch mit sieben schülerinnen gegründet worden, noch in einem haus am grindelhof; vorsteherin wurde fanny philip - 1899 waren es bereits 100 schülerinnen, die in diese villa umzogen, fast nur töchter der begüterten jüdischen orthodoxie, die sich das hohe schulgeld leisten konnten - allerdings umging man standesdünkel dadurch, daß alle mädchen mit einer schwarzen schürze mit farbiger borte zum unterricht zu erscheinen hatten, damit sich das vermögen der eltern nicht in der kleidung der schülerinnen niederschlug - an der schule unterrichteten in den "weltlichen fächern", vor allem in den fremdsprachen, auch christliche lehrer und lehrerinnen
1912 erhielt die schule die anerkennung als lyzeum (die weibliche form des gymnasiums, dessen abschluß den zugang zu universitäten ermöglichte) - was vor allem der vorsteherin fanny philip zu verdanken war. 
1931 während der wirtschaftskrise mußte die schule aus finanziellen gründen schließen - fanny philip (29.11.1867) wurde am 19.07.42 nach theresienstadt deportiert, wo sie am 9.1.43 starb.  

17. KAMMERSPIELE UND LOGENSAAL
hartungstraße 9

Von 1904 bis 1937 fanden im sogenannten Logensaal der Hartungstraße 9 – 11 die Sitzungen der Hamburger jüdischen Freimaurerloge statt. Seit 1918 beherbergte das Gebäude auch die Hamburger Kammerspiele. Durch die zahlreichen Aktivitäten der Loge, wie beispielsweise die Unterstützung aus Osteuropa emigrierter Juden, und daraus folgende Vereinsgründungen, entwickelte sich das Logenheim zu einem Zentrum der jüdischen Gesellschaft und beheimatete seit 1934 den jüdischen Kulturbund.
die kammerspiele boten vielen jüdischen künstlern, die an anderen theatern nicht mehr auftreten konnten, eine möglichkeit zur berufsausübung.

jegliche künstlerische, schriftstellerische oder journalistische tätigkeit war seit september 1933 an die mitgliedschaft der von joseph goebbels gegründeten reichskulturkammer gebunden und für diese mitgliedschaft war ein "ariernachweis" erforderlich, womit juden vom kulturleben quasi ausgeschlossen waren. 
die loge durfte trotz des verbotes der freimaurerei 1935 noch weiter tagen - sie wurde wegen „staatsfeindlicher Umtriebe“ jedoch im April 1937 aufgelöst. nachdem der jüdische kulturbund 1941 verboten wurde, wurden die kammerspiele geschlossen und das gebäude an die stadt zwangsverkauft - 
am 11.07.42 diente dieses gebäude als sammelstelle für 371 juden die deportiert wurden, davon kamen 300 nach auschwitz, von denen 261 ermordet wurden.
Seit 1945 befinden sich hier wieder die Hamburger Kammerspiele. Sie wurden von der jüdischen Schauspielerin und Regisseurin Ida Ehre erneut eröffnet, um diesen Ort nach Kriegsende wieder zu beleben - 1947 wurde hier wolfgang borcherts "draußen vor der tür" uraufgeführt. 

18. VEREINIGTE ALTE UND NEUE KLAUS
rutschbahn 11

Eine Klaus bezeichnet einen Ort für jüdische Studien und Gebete. Mit der am 28. September 1905 eingeweihten Vereinigten Alten und Neuen Klaus im Hinterhof der Rutschbahn 11 stand den Mitgliedern der deutsch-israelitischen Gemeinde eine Synagoge mit Lehrsaal zur Verfügung. Das Lehr- und Studierhaus bot Raum für insgesamt 160 Gläubige, wobei sich die 40 Frauenplätze auf einer vergitterten Empore befanden. Bereits 1910 wurde die Klaus um einen zweiten Studienraum erweitert, in dem Unterricht abgehalten und Talmud- und Torastudien betrieben werden konnten. Im Vorderhaus war seit 1902 der koschere Schlachterladen „Moritz Israel“ untergebracht und 1930 zog dort die jüdische Buchhandlung von Beer Lambig ein.
beim novemberpogrom 1938 wurde das gebäude verwüstet und mußte danach an die stadt zwangsverkauft werden

19.  POLENAKTION - STOLPERSTEIN LAMBIG
rutschbahn 11

 im märz 1938 verabschiedete das polnische parlament  ein gesetz, nachdem allen polen, die länger als fünf jahre im ausland gelebt hatten, die pässe entzogen werden konnten - so wollte man die massenausweisung polnischer juden aus deutschland verhindern.
bevor das gesetz wirksam wurde, wurden 17.000 juden nach polen ausgewiesen...etwa 1.000 in hamburg, sie wurden im gefängnis hütten oder in einer halle zusammengetrieben, und dann ab altona nach osten verfrachtet, wo sie wochen- oder monatelang ohne unterkunft im grenzgebiet dahinvegitierten.
eines der prominenten opfer der polenaktion war marcel reich ranicki. 
als der in paris lebende jude hersch grynszpan vom schicksal seiner betroffenen eltern (aus hannover) hörte, besorgte er sich einen revolver und erschoß den deutschen botschaftssekretär von rath...dessen tod der auslöser für die "reichskristallnacht" war.

20. SCHLACHTEREI MORITZ ISRAEL
rutschbahn 11
die entrechtung der jüdischen bevölkerung auf wirtschaftlichem gebiet begann zunächst langsam  - zwar hatte karstadt bereits zum 1.april 1933 alle jüdischen mitarbeiter entlassen, viele unternehmen wechselten ihre jüdischen vorstandsmitglieder aus
da zunächst die vollzeitbeschäftigung im vordergrund stand, waren die maßnahmen gegen jüdische unternehmen noch relativ human - die anweisung, keine jüdischen unternehmen mehr an öffentlichen aufträgen zu beteiligen oder keine wohlfahrtsmarken von jüdischen unternehmen anzunehmen, wurde in "alt hamburg" erst 1937 umgesetzt (in harburg, altona, wandsbek und bergedorf bereits seit 1935)...
bis 1938 konnten juden, die immigrieren wollten, noch relativ faire verträge mit den neueigentümern aushandeln, allerdings konnte der gauwirtschaftsberater (dr. otto wolff - st. pauli-spieler) jederzeit die verträge ändern 

1938 gab es noch 1.200 jüdische betriebe in hamburg
ab dem 1. januar 1939 wurde juden das betreiben von einzelhandelsgeschäften und handwerksbetrieben sowie das anbieten von waren und dienstleistungen untersagt, was letztendlich die wirtschaftliche grundlage der bevölkerung zerstörte - die betriebe wurden nun entweder zwangs-arisiert, wenn der gauwirtschaftsberater sie als erhaltenswert ansah (oder sich ein arischer betreiber fand, der den betrieb übernehmen wollte - viele ältere parteigenossen schafften sich so eine neue existenz als selbstständiger...siehe wilhelm koch) oder liquidiert...
1938/39 wurden 282 betriebe arisiert - 343 liquidiert, so wie dieser hier
Aus dem „Hamburger Tageblatt” No. 329/1938 vom 2.12.1938:


Alle jüdischen Einzelhandelsgeschäfte Hamburgs werden geschlossen
Bericht aus dem Amt des Gauwirtschaftsberaters über die Entjudung der Hamburger Wirtschaft
Im Zuge der Maßnahmen des Reiches zur völligen Entjudung der deutschen Wirtschaft werden seit gestern die jüdischen Einzelhandelsgeschäfte in Hamburg Zug um Zug geschlossen. In wenigen Tagen schon wird in Hamburg kein jüdisches Einzelhandelsgeschäft mehr bestehen, dessen Uebergang in deutsche Hände nicht gesichert und dessen Bestand volkswirtschaftlich nicht notwendig ist. Die Aktion wird sich zwangsläufig im Interesse der Gesamtwirtschaft und im Interesse der deutschblütigen Angestellten dieser Firmen über einige Tage hinziehen. Damit erfüllt Hamburg eine Forderung der Reichsregierung, die Judenfrage in Deutschland nach dem feigen Mord von Paris endgültig zu bereinigen. ...


arisierte oder liquidierte betriebe 1938/39 (liste nicht vollständig):
-  a. abraham, metallhandel (brahmsallee 16)

-  s. bari, lebensmittel (bornstr. 25)
-  max burchard, makler (isestr. 36)
-  emil cohen, milchhandlung (dillstr. 8)
-  hamburger textil-engros vertrieb, wollwaren-großhandlung (isestr. 115)
-  karl kühl & co, kohle-handlung, isestr. 17
-  w. möller, juwelen, gold und silber (isestr. 49)
-  egon pogorny, großhandel tierische rohprodukte (beneckestr. 50)
-  max schenkolowski, wollwaren (brahmsallee 4)
-  richard schnabel, drogerie (grindelhof 64)

-  isaak tugendhaft, wild- und geflügel (rappstr. 4)


21. HEINRICH-BARTH-SYNAGOGE
heinrich barth-straße 3-5

die kleine synagoge war die erste im grindelviertel, 1895 in einer doppelwohnung errichtet, reichte jedoch schon lange nicht mehr aus...
1938 bei der reichspogromnacht "übersehen"
rabbi carlebach initierte 1939 die verschickung der möbel nach schweden...im hafen wurden die möbel zerbrochen, gelangten aber nach stockholm und wurden dort in der jeschurun-synagoge wieder zusammen gesetzt.











22. HALLERSTRASSE

die hallers sind eine berühmte familie in hamburg...als familiennamen für juden 1812 zur pflicht wurden, wählten die hallers ihren nach dem ort, aus dem sie, aus wien kommend, nach preußen eingewandert waren...halle an der saale, von wo aus sie dann ins preußische altona übersiedelten. 

martin joseph (mendel joseph bis dahin) haller ließ seinen sohn 1814 nicht beschneiden und trat kurz darauf zum christlichen glauben über, wurde richter, bankier und gründer einer warenhandelsgesellschaft. 
sein sohn nicolaus ferdinand haller studierte jura, wurde 1844 mitglied der hamburgischen bürgerschaft, einer der mitarbeiter an der neuen hamburger verfassung von 1860, finanzsenator und lange 1. oder 2. bürgermeister. 
nach IHM wurde die hallerstraße nach seinem tod 1876 benannt und nicht nach seinem bekannteren sohn martin haller, der einer der bekanntesten architekten hamburgs wurde...man kennt vielleicht das "stella-haus", das "slomanhaus", dann die laeiszhalle und als mitbegründer des rathausbaumeisterbundes war er auch federführend am neubau des hamburger rathauses beteiligt.
1938 wurde die hallerstraße wegen der jüdischen herkunft ihrer namensgeber nach der angliederung österreichs in ostmarkstraße umbenannt, 1945 zurückbenannt. 








23. SUSANNE UND OSWALD PANDER
brahmsallee 6


Oswald Pander war ein bekannter schriftsteller und theaterkritiker, 1922 heiratete er in zweiter ehe sara susanne goldschmidt (geb 1892)
susanne war lehrerin, unterrichtete an der hamburger volksschule, an der töchterschule in der carolinenstraße und bis 1933 an der blinden- und sehschwachen-schule - susanne hatte ein examen für gymnastik und tanz sowie für heilgymnastik - so eröffnete sie hier eine "Schule für Gmnastik und tanz, akrobatik, pantomime und step" 
1939 gelang es, die gemeinsame tochter mirjam auf einem kindertransport nach england zu schicken - susanne ließ sich von den pflegeeltern als haushaltshilfe anfordern und durfte ebenfalls ausreisen.
oswald pander blieb mit dem meisten umzugsgut in hamburg und war nun fast vollkommen mittellos, er verkaufte mobiliar und bücher und hatte zudem noch eine erbschaftsangelegenheit für seine tochter zu regeln, von der er sich das erforderliche geld für seine ausreise erhoffte.
das ganze verzögerte sich solange, daß der ausbruch des WK2 seine ausreise unmöglich machte, 1942 wurde er nach theresienstadt deportiert, wo er 1943 an TBC starb, wobei ihm die ärzte auch shizophrenie attestierten...die vollkommene umwandlung seiner lebensverhältnisse hatte ihn quasi in den wahnsinn getrieben.
susanne pander gelangte in die usa, arbeitete dort weiter als tanz- und heilpädagogin, in den 70ern kehrte sie mit mirjam, die ebenfalls tänzerin war, nach deutschland zurück, lebte und starb in ost-berlin.

24. HAMBURGER ZIONISTISCHE VEREINIGUNG
Brahmsallee 16
der zionismus war eine bewegung, durch geistige und kulturelle wiederbelebung des judentums die rückkehr der juden nach palästina zu fördern
ab 1898 gab es auch eine zionistengruppe in hamburg, die allerdings wenig einfluß in der jüdischen gemeinde hatte.
allerdings war der zionismus in hamburg in erster linie als "kulturzionismus" aktiv, förderte jugend- und wandergruppen (blau-weiß) oder sportvereine (bar kochba)...nach der machtübernahme 1933 kam es zu einer kurzzeitigen zusammenarbeit der nazis mit der HZV, da diese zunächst an einer auswanderung der juden interessiert waren; 1937 waren ca. 15% der hamburger juden in der zionistischen vereinigung organisiert - nach dem novemberpogrom wurde die organisation verboten...
ihre aufgaben - die organisation der ausreise nach palästina - fiel nun an den jüdischen religionsverband


25. JEANETTE BÄR - 
Brahmsallee 24
Jeanette wurde 1903 als tochter eines metallgroßhändlers in hamburg geboren, sie besuchte die schule in der bieberstraße, dann die hansastraßenschule, arbeitete kurz als korrespondentin im betrieb ihres vaters, studierte in FFM als ersatzreifeprüfung, dann buchführung, handelskunde und deutsch in hamburg.
1930 schloß sie ihr studium in frankfurt mit gut ab und war nun diplom-handelslehrerin; ihre diplomarbeit : "Die Eignung der Frau für die Kontorarbeiten in kaufmännischen Betrieben" wurde "mit Auszeichnung" bewertet.
ab 1929 unterrichtete sie als aushilfslehrerin an verschiedenen hamburger handelsschulen, im april 1933 erhielt sie einen festvertrag, der im juni widerrufen wurde, da jüdische lehrern das unterrichten an öffentlichen schulen untersagt worden war - jetzt unterrichtete sie stundenweise in sprachen an der jüdischen töchterschule in der carolinenstraße. 
sie wohnte weiterhin bei ihren eltern - der vater hatte 1936 seine firma liquidiert und starb 1937, ihr bruder floh 1939 mit seiner frau nach england, wollte auch seine mutter zu sich nehmen - die mutter stellte den antrag, daß jeanette sie begleiten solle, um ihr mit dem umzugsgut zu helfen...das genehmigte die gestapo unter der auflage, daß jeanette zurückkehren mußte, andernfalls würde man die restlichen angehörigen ins kz einweisen.
jeanette kehrte zurück, 1942 mußte sie wahrscheinlich ihre wohnung räumen, lebte zunächst breite straße (altona), dann in der beneckestr. 4 in judenhäusern - am 23. juni 1943 wurde sie nach theresienstadt deportiert, von dort am 23.10. nach auschwitz, wo sie nach ihrer ankunft ermordet wurde.
ihr besitz in hamburg wurde wie üblich, konfisziert und öffentlich versteigert... 51 personen nahmen an der auktion teil, die einen reingewinn von 1.023,80 RM erzielte. 

26. WALTER ABRAHAM
Brahmsallee 68
Abraham wurde 1896 in beeskow (bei FFO) geboren
teilnahme wk1, ab 1919 bei der hamburger schutzpolizei, von 05 bis 10 33 leitete er die hamburger staatspolizei, machte dann karriere in berlin in verschiedenen funktionen, 42 polizeichef von prag, 43 polizeichef in minsk, 
danach kurz wieder in hamburg, ab 44 polizeichef in hamburg und für den wehrkreis X - bei kriegsende interniert, 1947 entlassen, 1949 als entlastet entnazifiziert...versuchte, erneut in den polizeidienst zu gelangen
abgelehnt, allerdings erhielt er bis zu seinem tod 63 eine pension von 1000 DM

27. EDUARD HOFFMANN 
Innocentiastraße 64
geboren 1900 in bremen, wirtschaftssachverständiger, seit 1933 nsdap, 33-36 kreiswirtschaftsberater (da wohnte er noch rothenbaumchaussee), seit 1938 leiter der "grundstücks-verwaltungs-gesellschaft von 1938 mbH"
seit 06/38 war juden die tätigkeit als makler, haus- und grundstücksverwalter untersagt 
die GVG übernahm die jüdischen grundstücksverwaltungen - was ansich gesetzeswidrig war, denn ansich hätten immobilien und grundstücke arisiert werden sollen, die zwangsverwaltung in hamburg bot jedoch ein weitaus effektiveres system des nepotismus...eingesetzte verwalter wie hoffmann konnten horrende honorare einstreichen.
nach der gründung der GVG verkauften jüdische eigentümer ihre immobilien und grundstücke lieber schleunigst zum schleuderpreis, als sie der zwangsverwaltung zu unterstellen.
dazu übernahm die GVG jene grundstücke von emigrierten und "abgewanderten" (d.h. deportierten) juden...die gewinne wurden in eine von reichsstatthalter kaufmann gegründete stiftung überführt, der mit den geldern "alte kämpfer" unterstützte.
hoffmann wurde 1949 als "entlastet entnazifiziert" - weiteres ist nicht bekannt 

28. SYNAGOGE DER PORTUGIESISCH JÜDISCHEN GEMEINDE
innocentiastraße 37
Bis zum Ende des Jahres 1939 fanden in dem heutigen Wohnhaus in der Innocentiastraße 37 jüdische Gottesdienste statt. Das Gebäude war 1935 angemietet worden und nach einem Umbau konnte es von den ca. 150 Mitgliedern der portugiesischen Gemeinde als Synagoge genutzt werden. Über dem Eingang stand zu lesen: „Heilige Gemeinde der Sefardim Bet Israel – Nahe ist Gott allen die ihn rufen“. Angelehnt an das Wort Sefarad (hebräisch: Spanien), weist die Bezeichnung „sefardische Juden“ auf deren iberische Vorfahren hin. 
es gab bei den juden zwei große gruppen - die separdim und die aschkenasim ...die sepharden gelten als nachfahren der verloren stämme des reiches israel, die im zuge der muslimischen eroberungen nach spanien und portugal einwanderten und nach der vertreibung über frankreich, die niederlande und belgien nach mitteleuropa einwanderten - die aschkenasim verstehen sich als nachfahren jener juden, die nach der römischen eroberung jerusalems 70 n.chr. als sklaven verschleppt wurden, bezeichnet quasi all jene juden, die im mittelalter nördlich der alpen lebten.  
Auch das Gebäude in der Innocentiastraße wurde ab 1941 für diese Zwecke genutzt.
Im Haus nr. 41 befand sich eine küche, wo mittellose mitglieder der jüdischen gemeinde warme mahlzeiten erhalten konnten. 

29. ISESTRAẞE 

die isestraße ist die straße mit den meisten ermordeten jüdischen menschen in ganz hamburg - hier liegen bei 154 hausnummern allein 258 stolpersteine. 
die straße hatte damals den spitznamen "regenschirm für juden" oder "schabbes-schirm"...das hatte vor allem zwei gründe:  
Es ist am Schabbat nicht erlaubt, einen Regenschirm zu benutzen. Dies hängt mit dem Verbot des Bauens zusammen – einer der 39 Grundarbeiten, die am Schabbat untersagt sind. Man darf an diesem Tag keinerlei neue Produkte herstellen, konstruieren oder bauen. Die Benutzung eines Regenschirms ist so, als hätte man ein Zelt aufgestellt oder eine Schutzhülle konstruiert. 
und es ist am schabbat verboten, unter freiem himmel handel zu treiben...insofern bot das viadukt die idealen lebensbedingungen, wenn man als gläubiger jude den gesetzen der thora folgen wollte. 
in der isestraße wurden bei einer volkszählung von 1939 730 jüdische bürger gezählt, davon 473 volljuden.
von den über 700 jüdischen bürgern ist nur von zweien bekannt, daß sie die nazizeit in hamburg tatsächlich überlebten.

30. HERBERT MICHAELIS
Isestr. 23

bei all den vielen steinen - herbert michaelis war der erste bürger aus dieser straße, der von den nazis ermordet wurde. 
geboren 1898 in hamburg, besuchte die TTS und die oberrealschule in eimsbüttel, nach dem abitur soldat im WK1, mit dem EK II und dem hanseatenkreuz ausgezeichnet.
nach seinem jurastudium ließ sich michaelis als rechtsanwalt in hamburg nieder - er war seit 1924 mitglied der kpd, hielt ab 1928 in den räumen der partei rechtssprechstunden ab, so geriet er nach der machtübernahme durch die nazis gleich in zweifacher hinsicht unter beobachtung, als jude und kommunist 
im mai 1933 verlor er seine zulassung als anwalt aufgrund seiner jüdischen herkunft, nachdem das "gesetz zur wiederherstellung des berufsbeamtentums" analog auch auf rechtsanwälte und notare ausgeweitet wurde. 
michaelis berief sich auf sein frontkämpfer-privileg, daraufhin wurde er wegen politischer unzuverlässigkeit ausgeschlossen.
im selben monat verhaftet, wurde er wegen betruges und urkundenfälschung in einem konstruierten prozeß zu zwei jahren gefängnis verurteilt, die er bis 1936 in lübeck absaß. 
dort lernte er dagobert biermann kennen, der bei blohm und voß arbeitete.
nach seiner entlassung leitete biermann ihm informationen über die deutsche beteiligung am spanischen bürgerkrieg weiter...michaelis versuchte über die schweiz, die informationen den allierten zukommen zu lassen.
durch einen spitzel wurde er enttarnt, im märz 1937 verhaftet und ins UHG gebracht...nach einem fluchtversuch wurde er in strenger einzelhaft gehalten.
im oktober 1938 begann der prozeß vor dem volksgerichtshof, am 2.3.39 wegen hochverrats zum tode verurteilt und am 14.06. in plötzensee hingerichtet.
als michaelis frau von dessen verhaftung erfuhr, fürchtete sie um ihr eigenes leben und das ihres damals 6-jährigen sohnes...
sie ließ alles so aussehen, als sei sie nur kurz einkaufen gegangen und flüchtete mit ihrem kind und wenig habe nach süddeutschland...da sie verwandte in der schweiz besaß, gelang den beiden der grenzübertritt.

die schweiz hat nur sehr wenige jüdische flüchtlinge aufgenommen.

31. SIDONIE WERNER
Isestr. 88

hier befand sich der sitz des "israelitisch-humanitären frauenvereins", 1893 von sidonie werner gegründet, die auch hier wohnte.

sidonie werner, 1860 in posen geboren, arbeitete als lehrerin an der jüdischen volksschule in altona und wurde danach lehrerin an hamburger volksschulen.
1904 mitbegründerin des jüdischen frauenbundes, vorsitzende von 1915 - 25.
In dieser Funktion trat sie für das Frauenwahlrecht ein, kämpfte gegen den Mädchenhandel und vertrat den Frauenbund auf vielen Reisen im In- und Ausland. 1915 wirkte sie an der Gründung des Stadtbundes Hamburgischer Frauenvereine mit; 1917 wurde sie Vorstandsmitglied in der Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden und 1918 einzige Frau im Vorstand des Hamburger Jüdischen Schulvereins; 1919 war sie Mitglied im Notstandskomitee für die »Ostjuden« und 1921 im Jugendamt der Hamburger Deutsch-Israelitischen Gemeinde
Zahlreiche soziale Einrichtungen und Heime wurden unter Mitwirkung Sidonie Werners vom JFB gegründet, z. B.
Mädchenwohnheim für ledige jüdische Mütter und deren Kinder in Hamburg, 1906 - Mädchenheim des Jüdischen Frauenbundes in Neu-Isenburg, 1907 - Kinderheim in Altona 1910 - Heim für bedürftige jüdische Kinder in Bad Segeberg, 1908, von 1920–1939 „Sidonie-Werner-Heim“ - Heim für tuberkulosegefährdete jüdische Kinder in Wyk auf Föhr, 1927–1938
1919 kandidierte sidonie für die DDP für die hamburgische bürgerschaft, erhielt jedoch nur einen aussichtslosen listenplatz - sidonie starb am 27.12.32 in bad segeberg und mußte insofern nicht mehr erleben, wie die von ihr gegründeten organisationen und heime verboten oder aufgelöst wurden. 

32. ROBERT MULKA 
isestr. 121

geboren am 12.04.1885 in hamburg, sohn eines postmeisters, hatte exportkaufmann gelernt, nach teilnahme am WK I (leutnant der reserve) und an der baltischen landeswehr lebte er wieder in hamburg, arbeitete zunächst bei seiner lehrfirma, bis er sich 1931 als kaufmann selbstständig machte. 
da lautete seine wohnanschrift noch wendlohstr. 28, liegt in niendorf - die geschäftsadresse seiner firma lautete raboisen 5.
1935 trat er in die reichswehr ein, wurde jedoch wegen einer verschwiegenen verurteilung wegen hehlerei wieder ausgeschlossen. 
1939 stellte er einen antrag auf nsdap-mitgliedschaft, da hatte er eine neue adresse - isestr. 121, hochparterre...1941 eintritt in die waffen-ss.
nach kurzem fronteinsatz wurde er krankheitsbedingt nach auschwitz versetzt, dort war zunächst wachsturmbannführer, dann adjudant von rudolf höß, dem lagerḱommandanten, in dieser stellung verantwortlich für die beschaffung von zyklon b und auch aktiv an selektionen beteiligt. 
1944 wurde er abgelöst (angeblich soll er sich abfällig über goebbels geäußert haben), diente in verschiedenen funktionen in ss-behörden, bis er krankheitsbedingt nach hamburg zurückkehrte.
juni 1945 wurde er von den briten verhaftet und interniert, wegen zugehörigkeit zu einer verbrecherischen organisation zu einer gefängnisstrafe verurteilt, im revisionsverfahren jedoch als "entlastet" eingestuft, lebte danach wieder in der isestr. und arbeitete weiter als kaufmann. 
bei den ermittlungen zum auschwitz-prozeß ende der 50er wurde staatsanwalt fritz bauer hellhörig, als rolf mulka, roberts sohn, eine medaille bei den olympischen spielen im segeln gewann. 
mulka wurde verhaftet, jedoch wurde haftverschonung wegen seines gesundheitszustandes gewährt...12/63 begann der sogenannte erste Auschwitz-prozeß - Nach 183 Verhandlungstagen wurden am 19. und 20. August 1965 die Urteile verkündet. Mulka wurde wegen „gemeinschaftlicher Beihilfe zum gemeinschaftlichen Mord in mindestens vier Fällen an mindestens je 750 Menschen“ zu 14 Jahren Zuchthaus verurteilt.
er trat seine strafe in der haftanstalt kassel an, überlebte einen selbstmord-versuch...1968 wurde er als haftunfähig entlassen und starb am 26.4.69.

33. LEO MENDELSOHN
isestr. 130 

das haus gehörte dem kaufmann leo mendelsohn, der hier wohnte, 
dort befand sich auch der "verein zur bekleidung armer schüler der talmud-tora-schule" seit 1923 und die leo-mendelsohn-synagoge.
mehr weiß ich leider nicht

34. CONSTANTIN BOCK VON WÜLFINGEN
isestr. 146

Julius August Jobst Constantin Bock von Wülfingen, geboren 11.08.1885 
jurastudium mit doktortitel, teilnahme WK1,  teilnehmer am kapp-putsch 1920.
verwaltungsjurist in schlewswig-holstein
1933 wurde er landrat in stormarn mit sitz in wandsbek, nach streitigkeiten mit dem nsdap-kreisleiter um die verlegung des sitzes von wandsbek nach bad oldesloe entlassen, 1938 als regierungsvizepräsident der staatsverwaltung verantwortlich für die umsetzung des groß-hamburg-gesetzes - damit war er als stellvertreter von senator georg ahrens, des stellvertreters von karl kaufmann, quasi verwaltungstechnisch der dritte mann in hamburg.
BVW gehörte damit auch zu den entscheidenden männern, die die kampflose übergabe hamburgs an die briten planten und durchführten 

nach der kapitulation und der machtübernahme durch die briten wurde BVW mit der abwickelung der hamburger staatsverwaltung beauftragt - zu diesem zweck verlegte er die behörde vom mai 45 an in die isestr. 146
am 31.12.45 wurde er - nsdap, ss und sa mitglied -  als belastet entlassen von der britischen militärregierung...nach seiner entlastung stilisierte er sich zum widerstandskämpfer -  erzählte, seine entlassung als landrat sei eine widerstandshandlung gewesen und er habe erfolgreich zu kriegsende aktionen verhindert, daß fanatische nazis in hamburg widerstand geleistet hätten.
BVW wurde nie für seine taten belangt und starb 1954 auf seinem landgut in bockerode, springe bei hannover